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Baldacci, David – Abgrund, Der

Web London: Top-Mann in einem Top-Team des FBI. Gestern waren sie noch „Die Sieger“, doch heute sind alle tot – bis auf einen: Web London. Was ist der Grund für sein Überleben?

_Der Autor_

David Baldacci ist der Verfasser u. a. von „Der Präsident“, das Clint Eastwood unter dem Titel „Absolute Power“ verfilmt hat. Der frühere Strafverteidiger und Wirtschaftsjurist lebt in Virginia, USA.

Weitere Baldacci-Hörfassungen bei Lübbe: „Das Labyrinth“, „Die Versuchung“, „Die Verschwörung“ und „Die Wahrheit“, „Das Versprechen“, „Im Bruchteil der Sekunde“ (September 2004). Die Hörbuchfassung von „Der Abgrund“ ist gekürzt und 465 Minuten lang, also knapp acht Stunden auf sechs CDs.

_Der Sprecher _

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken.

_Handlung_

Web London ist ein knallharter Typ, aber was ihm da letzte Nacht passiert ist, haute selbst ihn um. Er gehört einem Hostage Rescue Team (HRT), also Geiselrettungsteam, des FBI an. Dementsprechend hoch qualifiziert war seine Ausbildung. Zusammen mit seinem Team schickte man ihn nach Richmond, Virginia, um ein Fabrikgebäude zu stürmen. Das Haus sollte angeblich einem Drogenbaron als Einsatzzentrale dienen und bis obenhin mit Unterlagen vollgestopft sein. Das Einzige, was sich darin befand, waren ein Dutzend Maschinengewehre. Und die nahmen seine nichts ahnenden Teamkollegen sofort unter Feuer.

Durch einen Zufall gelangt London als Letzter zu dem Schauplatz des Blutbads. Auf dem Weg dorthin kommt er an einem Jungen vorbei, der zu ihm das Wort „Donnerhall“ sagt. Fortan kann sich London kaum bewegen, er weiß nicht wieso. Mit größter Mühe gelingt es ihm, die Maschinengewehre eines nach dem anderen auszuschalten und sogar den Jungen wieder aus der Gefahrenzone wegzuschaffen. Er überlebt als einziger seines Teams. Natürlich fallen sowohl seine Vorgesetzten als auch die Medienfritzen über ihn her. Überlebt zu haben, macht ihn schuldig; es lässt ihn wie einen Verräter aussehen.

Auch London macht sich schwere Vorwürfe. Was ist der Grund für sein Überleben? Um über das Trauma hinwegzukommen, begibt er sich, wie so viele seiner FBI- und HRT-Kollegen, in psychotherapeutische Behandlung bei Dr. Claire Daniels. Zuvor war er immer bei Ed O’Bannon in Betreuung gewesen, aber Dr. Daniels wollte seinen interessanten Fall übernehmen.

In der Praxis von Daniels und O’Bannon wird regelmäßige Hypnose als Mitteleingesetzt, um auf das zugreifen zu können, was das Bewusstsein im Gedächtnis weggesperrt hat. Bei diesen Sitzungen entdecken Dr. Daniels und London eine unglaubliche Tatsache: Am Tatort waren zwei Jungen, und sie wurden gegeneinander ausgetauscht. Der Junge, der „Donnerhall“ sagte, war nicht der, den Web rettete. Doch auf die Frage, warum sich in dem angegriffenen Gebäude statt einiger harmloser Büros eine Batterie tödlicher MGs befand, hat auch Web keine Antwort. Der Gedanke an Verrat in den eigenen Reihen liegt nahe, und der Undercover-Agent Randall Cove, der den Angriff vorzubereiten half, bestätigt den Verdacht. (Das wäre in einem Baldacci-Thriller wahrlich nichts Neues.)

Zunächst sieht es so aus, als stecke eine sektiererische Miliz namens „The Free Society“ unter einem gewissen Ernest B. Free dahinter, die zugleich auch den Drogenhandel an der Ostküste kontrolliert. Doch dann bekommen Web und sein bester Teamkamerad Paul Romano den Auftrag, einen reichen Pferdezüchter im Umland von Washington, D.C., zu beschützen. Billy Kenfield hat eine sehr schöne Frau, Gwen, und ein paar merkwürdige Gestalten als Ranchverwalter. Als ein Handy explodiert, scheint Web am richtigen Ort zu sein, um zu helfen.

Er ahnt nicht, dass auf dieser wie auch auf der Nachbarranch nicht alles so ist, wie es aussieht. Wie tief der Schlamassel ist, in den er hier geraten ist, ahnt er erst, als es schon fast zu spät ist. Unterdessen macht Claire Daniels in der Praxis ihres Kollegen O’Bannon eine erschütternde Entdeckung, und sie erkennt die Wahrheit über Web London selbst.

_Mein Eindruck_

Wie so viele Romane von David Baldacci ist auch „Der Abgrund“ eine Kombination von Psychothriller und Actionroman, garniert mit einer recht heftigen Verschwörung, die den Helden in ein frühes Grab führen soll. Wieder einmal kommt er gerade noch mit dem Leben davon.

Für die Action sorgen die spezialtrainierten HRT-Angehörigen mit ihren massenhaft eingesetzten Waffen, seien es nun Knarren oder Blendgranaten. Bis zum Showdown kann Web London also beweisen, was er draufhat. Und das ist eine ganze Menge.

Dumm nur, dass er trotz allem doch kein Terminator, sondern ein menschliches Wesen ist. Das macht ihn zum Beispiel für posthypnotische Befehlswörter wie etwa „Donnerhall“ anfällig und setzt ihn außer Gefecht. Das macht ihn aber auch fähig zur Liebe: zu Claire Daniels, zu Gwen Kenfield. Und die Hypnose legt offen, dass er in seiner Kindheit den gewaltsamen Tod seines Vaters zu ertragen hatte.

|Das ist alles schön und gut, aber funktioniert das auch in einem Hörbuch?|

Leider nur unter bestimmten Bedingungen. Wie alle Baldaccis ist auch dieses Buch mit einer Vielfalt von Personal vollgestopft, und dies erfordert vom Leser erhöhte Konzentration auf die Namen, die von Szenen zu Szene wechseln. Die erhöhte Aufmerksamkeit kann leicht zu Kopfschmerzen führen. Um damit nicht so große Mühe zu haben, sollte man sich also frühzeitig eine Liste der auftretenden Figuren mit ihren Namen anlegen. (Schon in meiner Zusammenfassung habe ich etliche Nebenfiguren weggelassen, um euch nicht zu verwirren.)

Um den Zusammenhang nicht zu verlieren, sollte man, anders als ich, keine längeren Pausen zwischen den einzelnen CDs machen, sondern sich alles in einem Stück anhören. Und dann noch ein zweites Mal. Nur dann, so glaube ich, kommt man dahinter, wer die wahren Drahtzieher hinter dem HRT-Hinterhalt in Richmond sind (Tipp: die Free Society ist es nicht).

|Der Sprecher|

Ulrich Pleitgen muss diesmal eine breite Palette von Figuren abdecken. Mit den meisten Männerstimmen hat er keine Schwierigkeiten, und auch die Frauen bekommt er meist gut hin. Aber wenn er den Vorgesetzten von Web London, einen Bürohengst namens Percy Bates, spricht, meine ich immer, einem falschen Fuffziger zuzuhören, der den Helden aufs Kreuz legen will. Bates hat eine hohe Männerstimme und spricht auch noch hastig – nicht ganz koscher.

|Die Musik|

… stammt von Michael Marianetti und wird immer dann eingesetzt, wenn es spannend oder bewegend oder irgendwie besonders wird. Außerdem am Anfang jeder der sechs CDs. Und natürlich ganz besonders beim Showdown und am Schluss des Hörbuchs. Die Musik muss nicht anspruchsvoll sein, um gut zu wirken, und das tut sie. Einmal erklingt sogar eine recht fetzige Rockgitarre.

|Die Übersetzung|

… ist ein richtiges Ärgernis. Einer der Profis hat sie angefertigt: Uwe Anton. Er ist schon seit über 20 Jahren im Geschäft und selbst Autor von Jugendromanen. Aber er hatte wohl zu wenig Zeit, um sein Werk zu überarbeiten, und so kamen zuweilen recht auffällige sprachliche Schnitzer zustande. Was zum Beispiel hat man sich unter einem „Laserpfeil“ vorzustellen“? Auf den ersten Blick sieht das okay aus, aber wenn man darüber nachdenkt, ergibt es keinen Sinn. Entweder ein Laserstrahl existiert oder er existiert nicht. Aber keine Waffe verschießt Pfeile aus Licht! Außer natürlich in irgendwelchen billigen Science-Fiction-Filmen, wo sie zu den Spezialeffekten gehören. Allerdings ist Baldacci kein Science-Fiction-Autor. Und da er sich scheut, wie ein Dichter irgendwelche Metaphern einzusetzen, taugt „Laserpfeil“ auch als Metapher nicht. Es ist schlicht und ergreifend falsch ausgedrückt.

Es gäbe noch etliche weitere misslungene Übertragungen ins Deutsche aufzuzählen, aber dieses Beispiel mag genügen. Aufmerksame Leser und Zuhörer werden ohne Weiteres auf sie stoßen.

_Unterm Strich_

Die Mischung aus Actionabenteuer und Psychothriller plus Verschwörungstheorie macht auch aus diesem Baldacci-Roman eine kurzweilige, unterhaltsame Sache. Allerdings macht es die Fülle der auftretenden Figuren nötig, eine Liste anzulegen, oder man verliert den Überblick und Zusammenhang. Ratsam ist es daher auch, das Hörbuch an einem Stück und dann noch einmal anzuhören, um alles mitzubekommen. Es könnte sonst vorkommen, dass man die Pointe nicht mitbekommt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Hörbuch eine gekürzte Fassung des Buches wiedergibt. Hilfreiche Szenen könnten fehlen.

Ulrich Pleitgen macht wie so oft einen guten Job, allerdings habe ich ihm eine oder zwei stimmliche Interpretationen nicht abgenommen. Er klingt eben am besten bei tiefen Männerstimmen. Die manchmal etwas schiefe Übersetzung durch Uwe Anton hat mich ebenfalls gestört. Aber da heutzutage Deutsch sowieso kaum noch jemand korrekt gebraucht, dürfte dieser Umstand nicht allzu vielen Leuten auffallen. Die Musikbegleitung wird einfach, aber wirkungsvoll eingesetzt. Insgesamt eine solide und lohnenswerte Veröffentlichung.

Pearl, Matthew – Dante-Club, Der

Eine Mordserie erschüttert das Boston des Kriegsjahres 1865: Der Mörder tötet mit jenen Methoden, wie Dante seiner Zeit im „Inferno“ die Sünder bestrafen ließ. Und einige dieser Methoden sind recht bizarr.

Doch wer kann die Gräueltaten aufklären? Offenbar weder die korrupte Polizei noch die bestechlichen Detektive des Bürgermeisters noch diejenigen der Detektei Pinkerton. Es sind vielmehr die gesetzten älteren Herrschaften, die sich im |Dante Club| einem ehrgeizigen literarischen Projekt verschrieben haben: der ersten US-amerikanischen Übersetzung von Dantes |Göttlicher Komödie|. Dabei geraten sie selbst in Lebensgefahr.

_Der Autor_

Matthew Pearl, geboren 1977, hat in Harvard, wo ein Großteil der Handlung spielt, Englische und Amerikanische Literatur studiert und 1997 seinen Abschluss mit summa cum laude gemacht. 1998 erhielt er für seine Forschungen den Dante-Preis der |Dante Society of America|. Die erste Fassung seines Thrillers „The Dante Club“ schrieb er, während er an der Yale Law School promovierte.

Er wuchs in Fort Lauderdale auf und lebt in Cambridge, Massachusetts, wo er Literatur und Kreatives Schreiben unterrichtet. „Der Dante Club“, sein erster Roman, ist bisher in mehr als einem Dutzend Ländern erschienen. (Verlagsinfo)

_Der Sprecher_

Burghart Klaußner ist im Kino, im Fernsehen und auf der Bühne gleichermaßen präsent. Nach seiner Ausbildung an der Berliner Max-Reinhardt-Schule war er an zahlreichen Theaterbühnen in Deutschland und der Schweiz engagiert. 1999 wurde er mit der „Goldenen Maske“ des Schauspielhauses Zürich ausgezeichnet. Seit 1995 wirkt er als Kommissar Heimeran in der ARD-Serie „Adelheid und ihre Mörder“ mit. Klaußner war zudem in Kinofilmen wie „Das Superweib“, „Rossini“, „23“, „Crazy“ und „Goodbye Lenin“ zu sehen. (Verlagsinfo)

Klaußner liest die von Gisela Mathiak gekürzte Fassung.

_Hintergrund: „Die göttliche Komödie“_

Dante Alighieris erzählendes Mega-Gedicht, entstanden zwischen 1307 und 1321 (der Erstdruck erfolgte erst anderthalb Jahrhunderte später: 1472), erzählt von des Dichters Wanderung durch das Jenseits, geleitet von Vergil, einem römischen Dichterkollegen. Ein Drache namens Geryon stellt sich als Flugvehikel zur Verfügung, während der Weg durch drei Reiche führt:

– das Reich der Verdammten (Hölle bzw. Inferno)

– den Läuterungsberg bzw. das Reich der erlösbaren Büßer (Fegefeuer bzw. Purgatorio) und

– das Paradies (Paradiso)

Überall begegnet Dante den Seelen der Verstorbenen und Vergil erklärt ihm die ganze Chose. Es ist für das Verständnis des Romans wichtig zu wissen, wie sich Dante das Jenseits vorstellt und warum sein Gedicht von manchen als so gefährlich für die amerikanische Gesellschaft des Kriegsjahres 1865 erachtet wird. Denn es ist natürlich auch eine moralische Predigt – an die Lebenden.

Am Anfang des „Inferno“-Teils tritt Dante durch das Höllentor in die Vorhölle, in welche die Gleichgültigen verbannt sind. Von da aus gelangt er in die eigentliche Hölle, an deren Eingang Minos sitzt – in der Antike der Richter der Unterwelt, bei Dante ein Dämon. Minos weist den Verdammten die ihnen bestimmten Höllenstufen zu, wobei die Strafe entsprechend dem Vergehen des Sünders festgesetzt wird (contrapasso). In der Oberen Hölle (2. bis 5. Kreis) werden die Sünder aus Leidenschaft, in der Unteren Hölle (7. bis 9. Kreis) die aus Bosheit bestraft. Je größer ihre Schuld, desto tiefer ihr Platz oder Rang im Höllenschlund.

Auf seiner Reise durch das „Inferno“ trifft Dante auf verschiedene Sünder (mitunter Politiker und Kirchenmänner), deren Qualen dem Möder aus „Der Dante Club“ als Vorbild für seine Verbrechen dienen …

_Handlung_

John Kurtz, der Polizeichef von Boston im Jahre 1865, wird aufs Land zu einem ungewöhnlichen Tatort gerufen. Meist ist Kurtz mit seinen Leuten in den ausgedehnten Elendsvierteln der Stadt tätig, doch das neueste Mordopfer wurde vor einer Villa am Rande der Stadt gefunden. Der Coroner identifiziert den Toten als Richter Healey. Oder vielmehr dessen sterbliche Überreste: madenzerfressen, von Fliegen umschwärmt und – zum Entsetzen der Frauenwelt – nackt. Richter Healeys Witwe Edna ist außer sich und wirft dem Kommissar zielsicher eine Vase an den Kopf. Der Coroner bringt ihn noch rechtzeitig in Sicherheit. Sie lässt sich versprechen, nicht eher zu ruhen, als bis der Täter bestraft ist. Für Kurtz wird das also eine ernste Sache, denn mit einer Patrizierin ist nicht zu spaßen, wenn einem der Job lieb ist.

Zunächst gibt es keinerlei Verbindungen zu Dantes „Göttlicher Komödie“. Doch es gibt sehr wohl den |Dante Club| des Titels. Der Club besteht aus den vier angesehensten Dichtern von Neuengland: Prof. emer. Henry Wadsworth Longfellow (Dichter), Prof. James Russell Lowell (Sprachen), Prof. Oliver Wendell Holmes (Anatom) und Prof. G. W. Green (Historiker). Der Fünfte im Bunde ist ihr Verleger J. T. Fields, der ihre Übersetzung des Dante-Textes drucken wird.

Dieses Quintett steht unter Beschuss, denn die ehrwürdige (und offenbar völlig verkalkte) |Harvard Corporation| torpediert das Publikationsprojekt, wo und wie sie nur kann. Die |Harvard Corp.| stellt die wirtschaftliche Leitung der Universität dar, und Augustus Manning ist ihr (beinahe) allmächtiger Schatzmeister. Er setzt alle Hebel gegen das Dante-Projekt in Bewegung, denn in seinen Augen ist die poetische Dante’sche Predigt geeignet, die moralische Festigkeit selbst der besten Bürger Neuenglands zu untergraben: Sie ist katholisch! In Bostons puritanischem Geistesklima verursacht auch die von Holmes vorgenommene anatomische Sektion einer weiblichen Leiche einen Aufruhr unter den Studenten.

Ja, die Zeiten ändern sich: In Bostons Straßen patrouilliert der erste schwarze Polizist Neuenglands, wenn auch nicht in Uniform – eigentlich ein Mulatte mit dem schönen Namen Nicholas Ray (so heißt im 20. Jahrhundert ein bedeutender Filmregisseur). Ray hat die zweifelhafte Ehre, auf dem Polizeirevier von einem besoffenen Selbstmörder etwas ins Ohr geflüstert zu bekommen: vermutlich etwas Italienisches. Der Mann springt danach aus dem Fenster in den Tod. Ray wendet sich an die Kapazitäten des |Dante Club|, die eine Transkription der letzten Worte des Selbstmörders deuten sollen. Es handelt sich um eine Zeile aus dem „Inferno“ …

Nur wenige Tage danach bitten Kurtz und Ray Dr. Holmes, seinen Sezierraum benutzen zu dürfen: eine neue Leiche wäre zu untersuchen. Es handelt sich dabei um Reverend Elisha Talbot von der 2. Unitarierkirche in Cambridge. Auffälligstes Merkmal: die völlig verkohlten Füße. Nachdem sich der zartbesaitete Arzt mit Grausen abgewendet hat, fällt ihm eine Stelle bei Dante ein: Verbrannte Füße – so werden im „Inferno“ die bestechlichen Kleriker genannt, die Simonisten. Bestraft also jemand Verbrecher mit Dantes Strafmaß, dem |contrapasso| (s.o.)?

Allmählich erkennen die fünf Übersetzer, dass jemand in Boston genau jene Strafen austeilt, die sie gerade dabei sind, ins Englische zu übertragen. Es besteht eine direkte Verbindung zwischen den Übersetzungssitzungen und den entsprechenden Verbrechen. Der |Dante Club| muss entscheiden, ob er gewillt ist, die Verantwortung zu tragen und entsprechend zu handeln, oder die ganze Angelegenheit, so absurd sie klingen mag, der korrupten Polizei zu übergeben. Denn Schutz für sie selbst bedeutet auch den Schutz für das Dante-Projekt. Und daher darf niemand von dem Zusammenhang mit den Verbrechen erfahren, soll das Projekt nicht völlig diskreditiert werden. Manning spioniert ihnen bestimmt bereits nach.

George Washington Green gibt schließlich den Ausschlag: Nehmen wir uns ein Beispiel an Alfred Lord Tennysons Darstellung des Odysseus und seien wir Männer, auch wenn wir schon alte Männer sind! Daraufhin schlägt der nur 48 Jahre junge Lowell forsch vor, selbst Ermittlungen anzustellen und die Polizei im Dunkeln zu lassen. Doch Letzteres gelingt nicht, denn Ray ist dafür viel zu schlau. Aber die Ermittlungen führen schon bald auf die Spur eines von der Uni verstoßenen Italienisch-Dozenten namens Pietro Bacchi. Und der hat eine verdächtige Vorliebe für Dante. Aber ist er auch der wahre Täter?

_Mein Eindruck_

Dies ist lediglich das erste Drittel der Handlung, denn es handelt sich um einen sehr umfangreichen Roman. Nach einigen Verwicklungen, weiteren Morden und einer überraschenden Wendung kommt es zu einem ausgedehnten, höchst dramatischen Finale, in dem alle Mitglieder des |Dante Club| in Lebensgefahr geraten. Für Spannung und Action ist also durchaus gesorgt.

Aber in Pearls vielschichtigem Roman geht es nicht vordergründig um die Morde, so grausig und spektakulär sie mitunter auch sein mögen. Auch der Spionagekrieg zwischen dem Club und der |Harvard Corporation| kommt nicht zu kurz, ist aber nicht das Fundament, sondern eine Auswirkung der Vorbedingungen in Boston und Cambridge. Denn die Historie spielt eine bedeutende Rolle, nicht nur die internationale, die literarische, die kulturelle, sondern vor allem auch die nationale Geschichte.

|Schatten des Bürgerkriegs|

1865 ist das letzte Kriegsjahr des amerikanischen Bürgerkriegs. In seiner „Beichte“ gewährt uns der Täter einen privaten und unmittelbaren Einblick in das Grauen der Zustände in den Lagern und während der blutigen Schlachten. Der Tod war in vielfältiger Form allgegenwärtig: Nicht nur Kugeln aus Gewehren oder Kanonen mähten die Männer dahin wie Heu im Juni, sondern auch zahlreiche Krankheiten sowie die Kurpfuscherei der Lagerärzte, die im Zweifel stets eine Amputation vornahmen. Schmeißfliegen legten ihre Eier in die amputierten Gliedmaßen oder hastig verscharrten Leichen, und schon bald wimmelten sie von Maden – genau wie Oberrichter Artemus Healey …

|Verantwortung der Dichter|

„Der Dante Club“ ist also kein Buch für schwache Mägen oder Nerven. Die Verantwortung, vor die sich die Mitglieder des Clubs gestellt sehen, ist angesichts der Gräuel, die die Morde in Boston darstellen, unabweisbar. Es handelt sich jedoch in der Mehrzahl um recht gesetzte Herrschaften zwischen 48 (Lowell) und über 60 (Longfellow). Welche Strapazen werden sie auf sich nehmen müssen, um den Täter zu ermitteln? In welche Tunnel unter Bostons Straßen werden sie kriechen müssen, um den Täter aufzustöbern? Zu welchen Gewaltmitteln werden sie greifen müssen, um ihn zur Strecke zu bringen? All diese Bedenken lassen sie zögern, von der Macht des Wortes abzuweichen. Aber um das Dante-Projekt zu schützen, müssen sie schweigen und zur Tat schreiten, wie Odysseus. Aus Rednern müssen Kämpfer werden, so wie 565 Jahre zuvor der Florentiner Dante selbst in den Krieg (gegen Pisa) ziehen musste, bevor man ihn ins Exil verbannte… Was sie allerdings nicht ahnen, ist, dass es das Projekt selbst ist, das die Morde auslöst!

|Bücherverbrennung: das Ende der Literatur?|

Am Ausgang der Anstrengungen des Dante-Clubs wird sich entscheiden, ob die literarische Führung Neuenglands in Amerika und Westeuropa, wo diese Dichter und ihr Dante-Projekt sehr wohl beachtet werden, weiterstrahlen oder in die Bedeutungslosigkeit stürzen wird. Dabei steht ihnen nicht nur die Mordserie entgegen, sondern auch die |Harvard Corporation| unter ihrem Schatzmeister. A. Manning veranlasst sogar eine öffentliche Bücherverbrennung der Schriften des „Ketzers“ Charles Darwin! Da wissen sie, was ihnen blüht, sollten sie versagen.

_Der Sprecher_

Burghart Klaußner sorgt für eine deutliche Charakterisierung jeder einzelnen Stimme. Bei den Mitgliedern des Clubs ist es besonders Longfellow, der mit einer langsamen und tiefen Patriarchenstimme aus der Gruppe herausragt. Im Vergleich zu ihm ist der 48-jährige Lowell geradezu ein flinkes Wiesel. Wenn Longfellow mit seiner Tochter Annie Allegra spricht, sieht man förmlich das Bild des silberbärtigen Alten vor sich, der über die Redakteursambitionen seiner Tochter schmunzelt. Da kommt ein sehr menschlicher Humor zum Tragen. Auch die Stimme von Green ist unverwechselbar, markant in ihrer Atemnot.

Den krasseste nur denkbaren Gegensatz dazu bilden die quengeligen Stimmen der Gegner des Clubs: Augustus Manning, der fiese Schurke an der Uni, und Stadtrat Fitch, der Polizeichef John Kurtz auf die Hörner nimmt. Wenn er sich da mal nicht verhebt. Frauen kommen selten vor, und so hat der Sprecher keine Mühe, ihnen eine markante Stimm- und Tonlage zu verleihen.

Beeindruckend ist Klaußners Fähigkeit zur korrekten Aussprache. Nicht nur sein Englisch ist völlig korrekt, sondern auch sein astreines Italienisch. Die poetischen Verse des Florentiners intoniert er so flüssig und klangvoll, dass man meinen könnte, er habe das jahrelang geübt.

_Unterm Strich_

„Der Dante Club“ hat mir außerordentlich gut gefallen. Einige Aspekte erinnern an Donna Tartts Bestseller „Die geheime Geschichte“, so etwa der Uni-Schauplatz und der literarische Zirkel der Täter. Bei „Dante Club“ kommt die komplexe Geschichte nur schwer in Fahrt, denn zunächst muss allen Hauptfiguren ein glaubwürdiges menschliches Innenleben verliehen werden. Außerdem ist zu erklären, was das Besondere an ihrem Übersetzungsprojekt ist und welche Konflikte es auslöst.

Doch schon bald beginnen sich Handlungsstränge und Motive zu verbinden, und es werden mehrere zentrale Konflikte sichtbar, die sich bis zum Finale gegenseitig verstärken sollen. Das letzte Drittel ist besonders spannend, denn die Suche nach dem wahren Täter nähert sich ihrem Ende und die sich ergebenden Konsequenzen sind für alle Beteiligten lebensgefährlich.

Besonders großen Spaß am Zuhören vermochte mir der fabelhafte Vortrag des Sprechers Burghart Klaußner zu verschaffen. Seine italienischen Verse klingen praktisch wie im florentinischen Original, und sein Englisch ist makellos. Die Charakterisierung der Figuren gelingt über weite Strecken so gut, dass der Zuhörer keine Zweifel hat, wer da gerade spricht.

Wegen des schleppenden zweiten Kapitels, als nach dem Healey-Leichenfund eine lange Setup-Phase die Mitglieder des Clubs vorstellt, erreicht das Buch zwar nicht ganz meine persönliche Bestwertung, für eine Spitzenposition im Gesamteindruck reicht es aber immer noch.

|Siehe ergänzend dazu unsere [Rezension]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1776 der Buchausgabe.|

Thomas A. Barron – Merlin – Wie alles begann

„Merlin – Wie alles begann“ ist der erste Teil einer erfolgreichen Saga um die Jugend des legendären Zauberers: Sie erzählt von jener Zeit, als Merlin noch nicht der berühmteste aller Magier war, noch nicht der weise Lehrmeister des jungen Königs Artus, sondern ein Kind, dessen Mutter seine Herkunft mit einem geheimnisvollen Schweigen umgibt. Klar, dass er seine Wurzeln erkunden muss. Denn das bedeutet, die Quelle seiner Fähigkeiten zu ergründen.

Der Autor

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Andreas Eschbach – Das Jesus-Video

Hat ein Zeitreisender von Jesu Leben ein Video gedreht? Archäologen finden in Israel die Bedienungsanleitung für eine Videokamera, die erst in drei Jahren auf den Markt kommt. Und befindet sich die Kamera mit dem Video ebenfalls in Israel?
Während der Projektleiter, ein Industrieller, vom Vatikan 10 Milliarden Dollar für seinen Fund haben will, kontert die römisch-katholische Kirche mit einem Kommando der Heiligen Inquisition. Steht ein Religionskrieg bevor?

Der Autor

Andreas Eschbach, geboren 1959, schrieb mit „Das Jesus-Video“ einen der erfolgreichsten deutschen Unterhaltungs-Thriller: Er wurde von Pro7 verfilmt und als Hörbuch von Lübbe vertont. Inzwischen hat er neben Science-Fiction auch den spekulativen Wirtschafts-Thriller „Eine Billion Dollar“ und die Jugendbücher „Perfect Copy“ (über Kloning) und „Das Mars-Projekt“ veröffentlicht. Im September 2003 erschien sein neuester Roman „Der letzte seiner Art“, in dem es um einen Kyborgsoldaten im Ruhestand geht. Eschbach lebt in der Bretagne.

Der Sprecher

Matthias Koeberlin, geboren 1974, spielte den Stephen Foxx in der ProSieben-Verfilmung des Bestsellers. Als ausgebildeter Schauspieler weiß er seine Stimme wirkungsvoll einzusetzen und die Sätze deutlich und richtig betont zu lesen. Aber er kennt nicht die Aussprache jedes einzelnen ausländischen Namens – wer könnte es ihm verdenken? Daher betont er beispielsweise den Namen des Papst-Agenten Scalfaro falsch: Er sagt Scalfáro statt Scálfaro.

Handlung

Gibt es Zeitreisende – und wenn ja, wo sind sie geblieben? Haben sie was mitgebracht?

Stephen Foxx, Mitglied der New Yorker Explorer’s Society, findet bei archäologischen Ausgrabungen in Israel in einem 2000 Jahre alten Grab die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die erst in drei Jahren auf den Markt kommen soll. Es gibt nur eine Erklärung (oder?): Jemand muss versucht haben, Videos von Jesus Christus zu machen. Der Tote im Grab wäre demnach ein Mann aus der Zukunft, dem es gelungen war, in die Vergangenheit zu reisen. Und irgendwo in Israel wartet eine Kamera samt Videoaufnahmen in einem sicheren Versteck darauf, gefunden zu werden.

Aber möglicherweise ist ja alles nur ein groß angelegter Schwindel. Schließlich hat ein Medienzar, John Kaun, seine Finger im Spiel. Er finanziert die Ausgrabung, und ein dubioser britischer „Wissenschaftler“ leitet die Grabungen. Als John Kaun dem Vatikan die noch nicht einmal gefundenen Videobänder gegen eine astronomische Summe verkaufen will, beginnt ein lebensbedrohliches Katz-und-Maus-Spiel für Stephen Foxx, das ihn zuletzt an den Rand des Verdurstens in der Wüste Negev führt.

Mein Eindruck

Eschbachs große erzählerischen Vorbilder sind Konsalik und Alistair McLean. Der Leser stößt dementsprechend allenthalben auf Kniffe und effektvolle Strukturen in Eschbachs extrem spannenden Thriller. Auffallend sind die vielen Cliffhanger-Schlüsse an Kapitelenden.

Flache Figuren

Leider sind seine Figuren notgedrungen entsprechend flach, geradezu stromlinienförmig. Sie erfüllen häufig nur dramaturgisch notwendige Funktionen. Nur Stephen Foxx‘ engste Freunde wie Peter Eisenhardt, Judith & Joshua Menes erfahren deutlichere Charakterisierung. Immerhin rettet seine stellenweise auftretende Selbstironie den Erzählton vor dem Abrutschen ins pathetische Drama. Am markantesten gelungen ist wohl der eremitische Vater eines der Ausgrabungshelfer – er gibt den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib der Videokamera, doch schließt er sich selbst vom Geschehen, ja vom Rest der Welt aus.

Bildungsreise durch Israel

Ganz nebenbei vermittelt der Erzähler eine ganze Menge an Bildungswissen und wertvollen Einsichten: nicht nur über das politische Pulverfass Israel – allein schon der PLAN für eine Grabung an der Klagemauer könnte einen Krieg auslösen! -, sondern auch über seine vieltausendjährige Geschichte, auf die sich unter anderem auch unsere abendländische Kultur gründet. Hier agiert der Erzähler mit Tonnen von Material auf leichtfüßige Weise, glänzt stellenweise mit ironischem Witz und originellen Einsichten. Dies macht dieses Hörbuch nicht nur zu einem spannendem Hörerlebnis, sondern zu einem Vergnügen, das nicht so schnell zu wiederholen ist.

Zickzack-Epiloge

In den Epilogen, die der Haupthandlung folgen, verkehrt sich das vermeintlich so traurige Ergebnis der Haupthandlung mehrfach in ihr Gegenteil. Hier stellt der Autor die Frage, ob es so wahnsinnig wichtig ist, ob das Jesus-Video „echt“ ist und dies die „Wahrheit“ für alle Christen sei. Natürlich werden diese absoluten Wertkategorien relativiert. Aber rein aus Spaß an der Freud an diesem Spiel baut sich dann doch so etwas wie eine Zeitschleife auf. Nicht von ungefähr lautet der letzte Satz des Romans „Die Geschichte beginnt.“ Und der Begriff „Geschichte“ hat an dieser Stelle natürlich mehrere Bedeutungen. Selbst wenn wir dieses Buch lesen, sind wir Teil der „Geschichte“.

Originelle Sprache

Immer wieder fällt die abwechslungsreiche und originelle Verwendung der deutschen Sprache auf. So viele passende Begriffe wird man in kaum einer Übersetzung aus dem angelsächsischen Raum finden. Wörter wie „Kugelblitz“, „Glutball“, „herumfuhrwerken“ sind außerhalb der deutschen Sprache – und sogar innerhalb – nur wenig gebräuchlich.

Logischer Fehler

Ein Fehler ist auffallend, eine Fehlkalkulation in der Zeit: Die letzte Szene findet fünfeinhalb Jahre nach der Haupthandlung statt. Dort heißt es, die Videokamera käme in drei Jahren auf den Markt. Als der Zeitreisende auftaucht, sind die fünfeinhalb Jahre vergangen, die Kamera ist bereits seit zweieinhalb Jahren erhältlich. Dennoch wurde sie vom Verkäufer als „das Neueste vom Neuen“ empfohlen. Heute erscheinen zweieinhalb Jahre als eine Ewigkeit für einen Innovationszyklus.

Die musikalische Inszenierung

Diese Romanlesung ist sehr wirkungsvoll. Zum einen trägt ein ausgebildeter Schauspieler sie vor, zum anderen wurde sie mit dem Original-Soundtrack der ProSieben-Verfilmung inszeniert. Das bedeutet, dass jede CD mit einem Intro und einem Extro versehen ist, das den Zuhörer nach Israel versetzt. Das heißt auch, dass entsprechende Stimmen und Musikinstrumente erklingen, die in das jeweilige Milieu passen. Geräusche tauchen kaum auf. Sie würden auch nur stören, denn zwei „Tonspuren“ sind das Maximum, das das menschliche Gehör als erträglich empfindet (Grundkurs Tontechnik). Jede weitere Tonebene muss, wie jeder Spielfilm zeigt, entsprechend zurückgenommen werden.

Die letzte CD weist noch ein weiteres Schmankerl auf: den originalen Abschluss-Song, gesungen von einer Künstlerin. Unter „vocals“ gibt die Hörbuchbeilage „Anna“ an, mehr nicht. Die Musik selbst wurde komponiert, arrangiert, programmiert und aufgenommen von Egon Riedel (www.ego-n.de).

Unterm Strich

Die Hörbuchfassung vereint meines Erachtens das Beste aus beiden Fassungen: Gelesen wird die Buchfassung, aber mit der Musik und der Hauptrolle der ProSieben-Verfilmung. Der Film zeigt eine Variation der Geschichte und legt viel Wert auf Action und Tempo. Wer das Buch mag, kann man über den Film wohl nur den Kopf schütteln.

Deshalb bietet die Hörbuchfassung sozusagen das Original, aber multimedial aufbereitet: eine Rundumerfahrung, die die Längen des Buches hinter sich lässt (Redaktion: S. Scheibler), um zielstrebig zur Sache zu kommen (soweit das bei einer Katz-und-Maus-Jagd überhaupt möglich ist).

Umfang: 410 Minuten auf 6 CDs

_Michael Matzer_ © 2003ff

Terry Pratchett , Paul Kidby – Wahre Helden

Mit Cohen dem Barbaren begegnet der Pratchett-Fan einem alten Bekannten aus den frühen Rincewind-Romanen. Unser verehrter Unfähiger taucht natürlich ebenfalls auf, dito seine Truhe und einige Mentoren von der Unsichtbaren Uni. Diesmal betätigt sich Rincewind als „Space Cowboy“! Houston, bitte… – pardon: Ankh-Morpork, bitte kommen!

Handlung

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Barry Gould / Amelie Fichte – 11 leichte Lektionen in schwarzem Humor

Warnung: Die Art von Humor, die ihr in dieser Buchvorstellung antreffen werdet, kann eure zarten Nerven nachhaltig schädigen. Ich lehne jede Verantwortung ab und gebe keine Garantie über die Korrektheit dieser Informationen. (Nach Diktat unbekannt verreist. Das Sekretariat.)

Die Autoren

Barry Gould, 1964 in San Francisco als Kind von Hippies geboren, lebt heute in Deutschland. Er ist professioneller Comedian und tritt seit 14 Jahren mit seinen Comedyshows auf. Dies ist sein erstes Buch. Amelie Fichte, geboren 1973 irgendwo in Deutschland, studierte irgendwo Literatur und wurde schließlich Lektorin bei irgendeinem Verlag. Gould ist ihr erster Co-Autor. Mehr verrät der Verlag Ehrenwirth leider nicht über die beiden Autoren.

Das Titelbild

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Philip K. Dick – Der unmögliche Planet

Philip K. Dick (1928-82) ist in Hollywood angesagt: Der letzte Höhepunkt der Verfilmungen seiner Werke besteht in Steven Spielbergs Actionkrimi „Minority Report“ und nun auch „Paycheck“. Aber die Verfilmungen begannen schon 1980 mit Ridley Scotts „Blade Runner“, und das ist nun ein wahrer Kultfilm geworden. Andere Filme wie „Matrix“, „eXistenZ“, „Vanilla Sky“ und „Die Truman Show“ verdanken Dicks Ideen ebenfalls sehr viel, ohne ihm allerdings dafür nachträglich zu danken.

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Philip K. Dick – Eine andere Welt

Dieser Parallelwelt-Thriller leitete Dicks dritte und letzte Schaffensperiode ein. Er brachte ihm nicht nur hohe Bekanntheit, sondern auch die Verfolgung durch die US-Behörden ein.

Jason Taverner gehört zur genetisch gezüchteten Elite der Gesellschaft um 1988: Der Sänger und Unterhaltungskünstler tritt jede Woche im Fernsehen auf, um ein Millionenpublikum mitzureißen. Bis ihm sein Betthäschen eines Tages einen tödlichen Alien-Schwamm auf die Brust setzt und er ohnmächtig ins Krankenhaus eingeliefert wird. Er erwacht in einer ungewohnten Umgebung: einem schäbigen Hotelzimmer, neben ihm ein Haufen Geldscheine, und kein Mensch scheint ihn mehr zu kennen, auch seine Freundin nicht.

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Philip K. Dick – Blade Runner

Dieser Roman ist die literarische Vorlage für Ridley Scotts kultigen Science-Fiction-Film „Blade Runner“ von 1982, in dem Harrison Ford einen seiner besten Auftritte hat, neben Rutger Hauer und Daryl Hannah. Dabei hieß der Roman ursprünglich ganz anders: „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“.

Philip K. Dick, der von 1928 bis 1982 lebte, war einer der fruchtbarsten und inzwischen wichtigsten Science-Fiction-Autoren. Von ihm stammen u.a. die literarischen Vorlagen zu den Filmen „Minority Report“ (mit Tom Cruise), „Total Recall“ (mit A. Schwarzenegger), „Screamers“ (mit Paul „Robocop“ Weller) und „Impostor“ (der bei uns nie ins Kino kam, mit Gary „Das letzte Gefecht/The Stand“ Sinise).

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David Brawn – Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs – Fotos aus Mittelerde

Teile der nachfolgenden Buchbesprechung decken sich mit der Rezension zum „offiziellen Begleitbuch“ von Jude Fisher, das ebenfalls hier vorgestellt wurde.
Wieder einmal hat sich der Autor David Brawn dazu hergegeben, kleine Infotexte zu den Fotos dieses Begleitbuches zur filmischen HdR-Trilogie zu schreiben. Er richtet sich dabei natürlich nach dem Drehbuch von Walsh, Jackson, Boyens u.a. Da aber bekanntlich die Kinofassung um mindestens eine Stunde gekürzt wurde (die hoffentlich auf der DVD der Special Extended Edition landet), so dass von Saruman nichts zu sehen ist, hat Brawns Verlag vorsichtshalber nur die unwichtigen und sichersten Szenen des Films berücksichtigt. Für den Käufer ist das nicht sonderlich zufrieden stellend.

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Ursula K. Le Guin – Rückkehr nach Erdsee

Im Universum der Erdsee entwickelt sich eine Krise: Die Drachen verbrennen die westlichen Inseln, und die Seelen der Verstorbenen werden nicht mehr erlöst. Die Magier sind wieder gefragt, doch diesmal sind sie auf besondere Hilfe angewiesen: zwei neue Drachen. Dieser bewegende Fantasyroman wurde ausgezeichnet mit dem World Fantasy Award 2002.

Ursula Kroeber Le Guin, geboren 1929 als Tochter des berühmten Anthropologen Kroeber, ist eine bessere Schriftstellerin als C.S. Lewis (was etwa Jugend-Fantasy angeht), mit einem klareren Stil als Alan Garner (GB), origineller als Susan Cooper oder Joy Chant und schreibt flüssiger als alle ihre amerikanischen Nachahmer. Denn „Wizard of Earthsea“ setzte eine hohen, sehr hohen Maßstab. Neben Tolkiens Werk (1954/55), das sich nicht explizit an Jugendliche richtete und mit christlichen Motiven überfrachtet ist, ist „Wizard“ das klassische Fantasy-Abenteuer für junge Leser. Auch die Frauenbewegung in der Fantasy schätzte „Wizard“ und seine Folgebände sehr. Werke wie „Die Traumschlange“ von Vonda McIntyre erinnern daran.

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Robert Charles Wilson – Darwinia

Europa ist verschwunden, das British Empire existiert nicht mehr, es schlägt die Stunde der Neuen Welt: Der Kontinent Darwinia, der an der Stelle der Alten Welt aufgetaucht ist, lädt zur Erkundung ein. Dieser Roman vereinigt Elemente aus Büchern von Joseph Conrad, Stephen King und Arthur C. Clarke zu einer ganz eigenen, faszinierenden Mischung.

Robert Charles Wilson wurde 1953 in Kalifornien geboren und lebt in Toronto. Er gehört seit seinem mehrfach preisgekrönten Roman „Darwinia“ zu den bedeutendsten Science-Fiction-Autoren der Gegenwart. Für diesen Roman erhielt er den Philip K. Dick Award für das beste Science-Fiction-Taschenbuch. Er schrieb auch den Bio-Thriller „Bios“ (1999), der bei uns Anfang 2003 erschien.

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Gary Russell – Der Herr der Ringe – Die zwei Türme: Die Erschaffung eines Filmkunstwerks

Wieder einmal tauchen wir ein in die Welt der kreativen Prozesse, die zur künstlerischen Entstehung des zweiten Herr-der-Ringe-Filmes geführt haben – zumindest, was die visuelle Seite betrifft. Wer den Film auch hören will, muss sich vorerst mit dem Soundtrack begnügen. Erst im August kommt die erste DVD auf den Markt und im November die Special Extended Edition, die 44 Minuten mehr Filmmaterial aufweisen soll (das hoffentlich nicht zum Großteil aus 20 Minuten Abspann besteht!).
Dieser Bildband bietet über 500 Abbildungen aus den Ateliers: Entwurfsskizzen, Farbstudien und natürliche Miniaturen bzw. „Big-atures“: von Orthanc, Barad-dur, Fangorn und natürlich Helms Klamm.

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