Dooling, Richard – Tagebuch der Eleanor Druse, Das

Eleanor Druse, eine 75-jährige Parapsychologin mit heftigen New-Age-Wallungen, betreut ehrenamtlich sterbende und einsame Patienten im altehrwürdigen Kingdom Hospital in Lewiston, US-Staat Maine. Dorthin wird sie auch von ihrem Sohn Bobby gerufen, der im Krankenhaus als Krankenpfleger arbeitet, als Madeline Kruger nach einem Selbstmordversuch eingeliefert wird. Eleanor, die ihre Freundin aus Kindertagen seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, eilt zu ihr – und findet sie tot vor: Madeline hat offenbar mit einem eingeschmuggelten Eispickel vollendet, was ihr daheim misslungen war.

Doch warum kriechen Heerscharen von Ameisen aus ihren Wunden? Eleanor wird durch den Schrecken ohnmächtig und schlägt mit dem Schädel auf dem Boden auf. Ein langer Krankenhausaufenthalt schließt sich an, denn Eleanor hört seither Stimmen und hat Visionen: Ein kleines Mädchen geistert weinend durch das Kingdom Hospital, ein gruselig anzuschauender Arzt tut es ihm gleich. Das alte Haus wird von Erdbeben erschüttert. Im Keller fallen Ratten über die Leichen her.

Eleanor beschließt, das Rätsel zu lösen. Sie beschafft sich Informationen über das Kingdom Hospital und kommt einem alten Skandal auf die Spur: Dr. Ebenezer Gottreich, ein fanatischer Anhänger der Gehirnchirurgie, hat hier in den 1930er Jahren verbotene Menschenversuche durchgeführt – und sie sowie Madeline Kruger gehören zu seinen Opfern! Das hatte sie bisher verdrängt, nun kehren die Erinnerungen mit den Visionen zurück. Leider scheint dies auch auf Dr. Gottreich zuzutreffen, dessen mörderischer Geist durch das Krankenhaus irrt und weitere Gräueltaten verübt. Eleanor selbst wird von den Ärzten des Kingdom Hospitals als psychisch derangierte Querulantin abgestempelt und – da ansonsten völlig gesund – vor die Tür gesetzt. Doch Eleanor lässt sich so einfach nicht ausschalten. Sie will dem kleinen Mädchen helfen und verschafft sich heimlich Einlass in das Krankenhaus. Die Ärzteschaft hart auf den Fersen, findet sie das Mädchen – und die böse Macht, die es jagt und das Kingdom Hospital terrorisiert …

Bücher zu Filmen sind seit jeher mit einiger Vorsicht zu betrachten. Sie bilden eine Art Zusatzgeschäft und stehen ungefähr auf dem Niveau von Kunststoffpüppchen der Darsteller, Tradingcards oder ähnlichem überflüssigen Schnickschnack, mit dem den Fans noch ein bisschen Geld mehr aus der Tasche gelockt werden soll. Mit entsprechender „Sorgfalt“ und Werktreue sind sie denn auch geschrieben – für den schnellen Verbrauch bestimmt, flach, langweilig. Weil dies offenbar ein Gesetz ist, heuert man für diesen Job bevorzugt zweit- und drittklassige Schreiberlinge oder richtige Autoren in akuten Geldnöten an.

„Das Tagebuch der Eleanore Druse“ entspricht vollständig dieser ungünstigen Definition. Dies überrascht nicht, stellt doch schon die US-amerikanische TV-Show das Surrogat einer skandinavischen Fernsehserie dar, deren Originalität in keiner Sekunde auch nur annähernd erreicht wurde. „Riget“ (dt. „Geister“) wurde 1994 vom dänischen Regisseur Lars von Trier (mit Niels Vørsel) erfunden, (mit Morton Arnfred) in Szene ge- und 1997 fortgesetzt: Ein modernes Krankenhaus wird mit parapsychologischen bzw. mythischen Phänomenen aus der Vergangenheit konfrontiert. Die filmische Umsetzung geschah durch Meisterhand, die Rollen waren brillant besetzt, die Darsteller lieferten Höchstleistungen. „Geister“ war spannend, gruselig, witzig – eine Sternstunde nicht nur der skandinavischen Fernsehgeschichte.

Was auch in den USA nicht verborgen blieb. Zwar lockte „The Kingdom Hospital“, wie die Serie nun heiß, auch hier die Zuschauer, aber für die durchschnittliche Couchkartoffel war sie doch zu komplex, zu frivol und vor allem zu europäisch. Wie schon so oft wurde deshalb eine „amerikanisierte“ Kopie in Auftrag gegeben. Für das Drehbuch konnte man einen Vollprofi gewinnen: Stephen King ist nicht nur ein berühmter Schriftsteller, sondern auch ein versierter Drehbuchautor. Weil er nicht die gesamte, auf 13 Teile projektierte Serie „Kingdom Hospital“ stemmen konnte, gesellte sich ihm Richard Dooling hinzu. Auf dem Regiestuhl nahm 2004 der auf King-Fernseh-Miniserien spezialisierte Craig R. Baxley („Storm of the Century“, „Rose Red“, „The Diary of Ellen Rimbauer“) Platz. Es entstand das übliche King-TV-Spektakel: aufwändig und routiniert in Szene gesetzt und erfolgreich, aber auch hausbacken, viel zu lang und enttäuschend eindimensional: „Riget“ für Anspruchslose.

„Das Tagebuch der Eleanor Druse“ überträgt dies kongenial, aber leider wohl unfreiwillig in Worte. Weder im Klappentext oder im „Vorwort“ der „Verfasserin“ findet Erwähnung, dass dieses Buch nur den Auftakt einer Serie von „Kingdom“-Romanen darstellt. So erklärt sich das abrupte „Cliffhanger“-Finale, als noch gar nichts aufgeklärt ist. Der Leser schaut in die Röhre und ärgert sich, bis hierher durchgehalten zu haben, nachdem er – oder sie – so unverschämt vernachlässigt wurden.

Was ist von einem Roman zu halten, dessen erste Hälfte gar nicht im Titel gebenden Kingdom Hospital, sondern in einem anderen Krankenhaus in Boston spielt? Nachträglich begreifen wir dies als Einleitung zu einer sehr weit gespannten Geschichte, um die wir indes in diesem Buch geprellt werden. Im Vergleich zum verwünschten „Reichskrankenhaus“ der Originalserie ist das Kingdom Hospital zudem ein langweiliger Ort, an dem ziemlich kindische Geister umhertölpeln. Von Gruselatmosphäre keine Spur, der Stätte entsprechend steril und vordergründig schleppt sich das Geschehen dahin. Der abschweifig-geschwätzige Tonfall des Verfassers, der ebenso mühsam wie zwecklos versucht, Stephen Kings Geschick sowohl in der Darstellung US-amerikanischen Alltags als auch in seinen Schilderungen jenseitiger Heimsuchungen zu imitieren, trägt zum Misslingen des Werkes bei.

Den Gnadenstoß versetzt die Figurenzeichnung. Selten hat man sich über unsympathische Hauptpersonen so offen ärgern müssen. Die Idee an sich, weg von den üblichen TV-Klischeegestalten zu gehen, ist prinzipiell zu begrüßen. „Riget“ zeigt, wie erfrischend dies sein kann. „Kingdom Hospital“ wird indes von Karikaturen bevölkert, die umzubringen Pflicht jedes anständigen Gespenstes sein sollte. Das trifft ausgerechnet auf die Hauptfigur in ganz besonderem Maße zu.

Eleanor Druse war offenkundig geplant als „unwürdige Greisin“, die unkonventionell im Denken und Handeln trotz Alter und Eigensinn dem Grauen die Stirn bieten kann. Tatsächlich ist Eleanor eine Heimsuchung als unsensible, besserwisserische, eingebildete, frömmelnde New-Age-Hexe, deren sinnfreies Geplapper beim Lesen zur Weißglut reizt und das Überspringen ganzer Passagen erforderlich macht. Sohn Bobby, von der übermächtigen Mutter gegängelt und unterdrückt und auch sonst keine Leuchte, dient der Story als Wasserträger, der im rechten Augenblick verstaubte Akten heranschleppt oder seine penetrante Erzeugerin in unzugängliche Krankenhaussektionen einschmuggelt.

Die Ärzteschaft des Kingdom Hospital: eine Horde völlig überzeichneter, arroganter, unfähiger, korrupter, übergeschnappter Nullgestalten, die anscheinend nur von Eleanor Druse durchschaut werden und mit Patienten, Behörden und sonstigen Ordnungsmächten ihr lachhaftes Spiel treiben können. Es fehlt völlig die Mischung aus überzeugender Bosheit und Irrwitz, welche die „Riget“-Mediziner auszeichnete.

„Das Böse“ des Kingdom Hospital kommt sogar noch dümmlicher daher. Dr. Gottreich ist ein „mad scientist“, wie ihn heute höchstens noch Vormittagssendungen für Kinder präsentieren. Die kleine Mary, Gespenst Nr. 2, gehört zu den „Guten“, aber sie spukt ausgesprochen sinnfrei durch die Gänge, heult dabei zum Steinerweichen, und das wohl bereits seit anderthalb Jahrhunderten. Genaues erfährt man (noch) nicht; entsprechende Enthüllungen bleiben der Fortsetzung des „Tagebuches“ vorbehalten, auf die man problemlos verzichten kann.

Geschickt drückt sich der |Heyne|-Verlag um die Beantwortung der Frage, wer „Das Tagebuch der Eleanor Druse“ eigentlich geschrieben hat. Angeblich Eleanor selbst, aber sogar der dümmste Leser wird ahnen, dass es sich hier um eine fiktive Gestalt handelt. Also entspringt das „Tagebuch“ womöglich dem Hirn des großen Stephen King, unter dessen Namen die gleichnamige TV-Serie vermarktet wird? Man findet seinen Namen nicht dort, wo Verfassernamen zu stehen pflegen, sondern auf einem Button, der dem Cover aufgeprägt wurde („Das Buch zur TV-Serie von Stephen King“). Ansonsten lässt man eine Lücke dort, wo ansonsten nicht gerade verkaufsförderlich „Richard Dooling“ stehen müsste.

Dooling, geboren 1954 in Omaha, Nebraska, hat sich hier quasi als Ghostwriter für ein reines Kommerzprodukt verpflichten lassen. Er ist eigentlich Anwalt und hat diesen Job nicht aufgegeben, denn mit seinen eigenen Werken kann der Schriftsteller, Drehbuchautor und Journalist seine Kritiker sowie Leser zwar begeistern, erreicht aber ganz sicher kein Millionenpublikum. Werke wie „Critical Care“, „White Man’s Grave“ und „Brain Storm“ sind auch in Deutschland (als „Bett Fünf“, „Das Grab des weißen Mannes“ und „Watsons Brainstorm“) erschienen. „Critical Care“ nutzt übrigens wie „The Journals of Eleanor Druse“ die Erinnerungen des ehemaligen Beatmungstechnikers Dooling, der einige Jahre in einem Krankenhaus arbeitete und hinter die Kulissen blicken konnte.

Mehr über Autor und Werk verrät die Website http://members.cox.net/dooling.

Mann, Phillip – Auge der Königin, Das

„Das Auge der Königin“ war der erste Roman des Neuseeländers Phillip Mann, der bei uns in deutscher Übersetzung erschien. Es ist wohl einer der besten Romane über die Begegnung mit einer absolut fremdartigen, nichtmenschlichen Rasse, der je geschrieben wurde.

Bei der Lektüre entsteht der Eindruck, dass Phillip Mann eine wissenschaftliche Ausbildung in Linguistik und Ethnologie erhalten haben muss. Nicht zufällig nämlich sind zwei Hauptfiguren seines Romans Experten vom „Institut für Kontakt-Linguistik“. Dieses hat sich, hundert Jahre nach Beginn der interstellaren Raumfahrt, die Aufgabe gestellt, außerirdische Kulturen zu erforschen.

_Der Autor_

Der 1942 geborene Engländer Phillip Mann lebt seit 1969 in Neuseeland. Seine Tätigkeiten als Theaterdirektor und Drama-Dozent verhalfen seinen Romanen und Hörspielen zu klarer Struktur und Anschaulichkeit. Neben „Das Auge der Königin“ (1982; dt. bei |Heyne|) ist „Pioniere“ als sein bester Roman anerkannt.

Der Neuseeländer wurde bei uns mit den zwei Paxwax-Romanen, dem Roman „Pioniere“ und mit „Wolfs Garn“ bekannt. Im Mittelpunkt seiner Bücher stehen menschliche Eitelkeit und Überheblichkeit, weshalb selbst die besten Pläne bei ihm stets schief gehen, so auch in diesem Roman über einen Erstkontakt. Die Arroganz besteht diesmal in dem Glauben, unbeteiligter Beobachter sein und bleiben zu können. Wolfgang Jeschke nannte dieses Buch einmal in den achtziger Jahren den besten Science-Fiction-Roman überhaupt – lang ist’s her.

Die Krönung von Manns schmalem Oeuvre bildet bislang der vierbändige Zyklus „Ein Land für Helden“ (A land fit for heroes):

1. Flucht in die Wälder
2. Der Monolith
3. Der Drache erwacht
4. Der brennende Wald

_Handlung_

Sobald die inzwischen galaxisweit Raumfahrt treibende Erde erkennt, dass in gewissen Richtungen Widerstand geleistet wird, geben sich dessen Verursacher zu erkennen. Es sind die Bewohner des Planeten Pe-Ellia (die Ähnlichkeit mit Perelandra bei C. S. Lewis ist wohl nicht ganz zufällig). Die Pe-Ellianer sind eidechsenähnliche, doch menschenförmige Riesengeschöpfe.

Sie laden den pensionierten Kontakt-Linguistiker Marius Thorndyke und seinen Schüler Thomas Mnaba nach Pe-Ellia ein. Sein Tagebuch und dessen Kommentar ergänzen sich später zu einem annähernd runden Bild von der pe-ellianischen Zivilisation.

Da auf Pe-Ellia der Geist die absolute Kontrolle über die Materie errungen hat und der telepathische Kontakt untereinander somit das Zusammenleben bestimmt, finden die zwei Menschen, die über keine telepathischen Kräfte verfügen, nur schwer Zugang zum Kern dieser fremden Kultur. Ja, die beiden stellen für diese sogar eine Bedrohung dar, wenn auch unwissentlich.

Die Pe-Ellianer verfolgen seit Jahrtausenden mit Sorge das Anwachsen der unbewussten, ungezügelten psychischen Potenz der Menschheit. Denn sie selbst beherrschen psychische Kräfte wie Werkzeug – die Unio Mystica (Gefühl der Einheit zwischen Ich und Welt) ist bei ihnen ein Dauerzustand.

Andererseits ist diese Gabe ihre Achillesferse: Ein unbeherrschter Fluch kann sie töten. Sie streben nach Vollkommenheit, die sich im Verlauf ihrer sieben Häutungen zeigt. Wird sie erreicht, werden sie zu „mantissae“ (femininer Plural von griechisch-lateinisch „Mantis“ = Seher, Weissager), die Geist und Materie beherrschen. Die psychischen Einwirkungen der Menschen stören diese Entwicklung.

Entgegen aller wohlerprobten Maximen, die es den Kontakt-Linguisten verbieten, Einfluss auf die Kultur der zu erforschenden Aliens zu nehmen, bringt Thorndyke sich selbst, d.h. seine Persönlichkeit, ins Spiel ein. Thorndyke sieht nur einen gangbaren Weg, um diese Fremdwesen völlig zu verstehen. Er lässt sich zum Pe-Ellianer umwandeln. Er weiß, dass ihm bis zu seinem Tod im „Auge der Königin“, einem Zugang zur Unter- und Totenwelt, nicht mehr viel Zeit bleibt.

[SPOILER]
Durch Verschmelzung mit der „Königin“, einer gewaltigen, den Planeten durchwuchernden Biomasse mit quasigöttlichen Fähigkeiten, wird Thorndyke Bestandteil des pe-ellianischen Genpools und gewährleistet damit, soweit er es vermag, eine denkbare Synthese zwischen Erde und Pe-Ellia.
[Ende des Spoilers]

_Mein Eindruck_

Die Erzählform des kommentierten Tagebuchs beleuchtet das Geschehen von mehreren Seiten, erlaubt es aber auch, die innersten Gedanken des jeweiligen Schreibers auszudrücken – ein genialer Schachzug des Autors. Der einigermaßen lesbare Roman bietet Spannung, Weitblick, Philosophie und Humanismus in einem und gemahnt so an Klassiker von H. G. Wells, Olaf Stapledon („Der Sternenschöpfer“), C. S. Lewis („Perelandra“) und David Lindsay („Reise zum Arcturus“). Manche Strecken gemahnen an Johannes den Täufer, der das Leben und die Verwandlung Jesu erzählt. Ist der Bericht ein Evangelium – oder eine Fälschung?

Man merkt dem Roman an, dass ihn ein gebildeter Mensch geschrieben hat, der mit der literarischen Tradition vertraut ist. Das ist zwar gut und schön, wenn es ums Lesevergnügen geht, doch um einen SF-Roman gut werden zu lassen, gehört noch einiges mehr dazu. Seit 1985 hat dieses Buch nämlich keine einzige Neuauflage erlebt, und das gibt doch zu denken.

Das ganze Buch ist insofern nicht gerade konsumfreundlich, weil es sich einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise bedient, die doch in ihrer Nüchternheit nicht gerade einladend wirkt. Fähige Autoren wie Michael Bishop haben dies in Ethnologen-Romanen wie dem fabelhaften „Transfigurationen“ sehr viel unterhaltsamer bewerkstelligt. Die Action hält sich jedenfalls bei Phillip Mann stark in Grenzen. Denn anders als etwa Michael Bishop, Nicola Griffith („Ammonit“) oder Ursula K. Le Guin (die Tochter eines berühmten Anthropologen; Buchbeispiel: „Die linke Hand der Dunkelheit“), ist Manns Erzählstil auch bei großer Anspannung undramatisch. Er zeigt die Probleme bei der Kontaktaufnahme mit einer Fremdkultur geduldig auf.

Je mehr sich der Blickwinkel Thorndykes und Mnabas ausweitet und das Erleben sich intensiviert, desto deutlicher werden sie sich ihrer eigenen Rolle und jener der Menschheit bewusst. Die Wirkung ist die einer immer stärker werdenden kosmischen Ironie. Das ist jedoch nicht komisch, sondern tragisch.

_Unterm Strich_

Ich fand diesen gelehrten Kontakt-Roman einerseits recht faszinierend zu lesen, wenn man etwas für die wissenschaftliche Betrachtungsweise übrig hat. Andererseits fordert die Lektüre aber auch ein Höchstmaß an Geduld vom Leser, so dass Actionfans hier keineswegs auf ihre Kosten kommen. Ein Buch offenbar für ambitionierte Leser.

Das Buch wird vom |Heyne|-Verlag schon lange nicht mehr angeboten. Nicht einmal in die Einsteigerreihe „Warp 7000“ schaffte es der Titel. Bei Amazon.de und Ebay.de sind jedoch noch gebrauchte Exemplare zu bekommen.

|Originaltitel: The Eye of the Queen
Aus dem Englischen übertragen von Hans Maeter|

Marianne de Pierres – Nylon Angel

Das geschieht:

„Bodyguard der Stars“ antwortet Parrish Plessis, wenn man sie nach ihrem Job fragt. Die Realität ist weitaus unerfreulicher: Ihrer Chefin Doll Feast ist Parrish auch Bettgefährtin, dem bösartigen Bandenchef Jamon Mondo muss sie als Sexsklavin dienen. Trotzdem lässt die junge Frau sich nicht unterkriegen, was nur gut ist in dieser Welt einer (undatiert bleibenden) Zukunft. Viracity an der Ostküste Australiens ist eine Megalopolis der Reichen & Schönen; Kranke, Arme, Kriminelle und anderes der Oberschicht unliebsames Pack wurde in den „Tertiären Sektor“ abgeschoben, einen gigantischen Vorstadtslum, erbaut auf radioaktiv und chemisch verseuchtem Untergrund.

Im Tert herrschen die Gangs und ansonsten die Regeln des Stärkeren. Legt man Wert auf eine erhöhte Lebenserwartung, sucht man den Schutz einer Bande. Parrish Plessis würde sich gern der Cabal Coomera anschließen. Leider nehmen diese keine Frauen auf, es sei denn, sie können ihren Wert durch eine besondere Tat unter Beweis stellen. Das ist Parrish bisher nicht gelungen. Um endlich von Mondo loszukommen, geht sie deshalb gleich mehrere Risiken ein. Sie verdingt sich als Hackerin für Io Lang, den mysteriösen Herrn des „Dis“. Parrish bemüht sich zusätzlich um Aufklärung des Attentats auf die berühmte Enthüllungsreporterin Razz Retribution. Sie kann einen Zeugen der Bluttat ausfindig machen.

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Stewart, Sean – Schwarze Dolch, Der

„Der Schwarze Dolch“ ist nicht nur der zweite Roman Sean Stewarts, der bei |Piper| erscheint, sondern auch eine Neuauflage des beim |Argument|-Verlag erschienenen gleichnamigen Romans. Anders als in seinem ersten Buch „Hexensturm“ entführt uns Sean Stewart nicht in den amerikanischen Süden , sondern in ein phantastisches Land ohne irdische Wurzeln, auch wenn Kultur und Beschreibungen das hochmittelalterliche England eines Robin Hood oder Richard Löwenherz wieder aufleben lassen.

Schützer Mark ist ein junger Bauernbursche, der von großen Heldentaten, Ruhm und einem Titel träumt. Er, der Vaterlose, möchte nicht als Bauer, Handwerker oder Knecht in seinem Heimatdorf bleiben. Aber erst nach dem Tod seiner Mutter scheint die richtige Zeit für den Aufbruch gekommen zu sein. Mark zieht mit einem Schwert und wenigen anderen Habseligkeiten aus in den nahen Gespensterwald, in den schon viele tapfere Männer gegangen, aber nicht wieder zurückgekommen sind. Er will wie die Helden der alten Legenden sein Leben einsetzen, um den Fluch der Roten Festung zu lösen.
Tatsächlich gelingt es ihm mehr durch Glück als Verstand, das viele Jahrhunderte alte Geheimnis aufzulösen und den Fluch zu brechen.
Mit Beweisen für diese Tat kommt er zum Schloss des Königs, um seinen Lohn zu empfangen. Nachdem dieser ihn angehört hat, ist er bereit, die Wünsche des jungen Helden zu erfüllen. Er gibt ihm Ländereien, Titel und die Hand seiner jüngsten Tochter.
Doch da fangen erst Marks wirkliche Abenteuer an.
Er muss erkennen, dass der Adel sich ganz anders benimmt, als er bisher geglaubt hat, und es gar nicht so einfach ist, mit den ungeschriebenen Regeln des Hofes zurechtzukommen, und sich nicht in einem tödliches Netz von Intrigen zu verstricken. Nur wenige meinen es so ehrlich mit ihm wie der junge Adlige Valerian, der ihm die wichtigsten Regeln des Lebens am Hofe beibringt und schließlich sein bester Freund wird.
Auch die auserwählte Braut scheint eine gute Wahl zu sein, denn Prinzessin Gail kann mit den Hofintrigen auch nicht viel anfangen und eckt durch ihren offenen, direkten Charakter oft an. Dennoch legt sie Mark einige Hürden in den Weg, denn sie hat ihre eigenen Pläne und Ziele.
Und auch Marks Tat scheint nicht ohne Folgen geblieben zu sein. Zwar hat er den Fluch der Festung gebrochen, aber damit auch alte Geister freigesetzt, die nun mordend durch das Land ziehen. Der junge Held ahnt nicht, dass, um sie zu besiegen, er sich in erster Linie seinen eigenen Schatten stellen muss.

Wie schon in „Hexensturm“ stehen auch in „Der Schwarze Dolch“ nicht die Handlung sondern die Charaktere im Vordergrund. Sean Stewart benutzt die klassische Geschichte eines jungen Helden, der einen Fluch bricht und damit Titel, Land und eine Prinzessin zur Frau gewinnt, nur als Hintergrund für die Entwicklung seiner Personen. Mark ist nicht der typische und naive Jüngling, sondern ein bereits von eigenen Sorgen gezeichneter junger Mann, der sehr schnell merkt, dass Ruhm und Ehre nicht unbedingt glücklich machen und vor allem ganz neue Probleme aufwerfen, vor denen er am liebsten davonlaufen möchte. Letztendlich lernt er aber nach und nach eine Sorge nach der anderen zu lösen und wächst in seine neue Stellung hinein.
Spannung und Action bezieht der Roman überwiegend aus seiner persönlichen Weiterentwicklung und durch die Beziehungen zu den anderen Menschen, nicht zuletzt aber auch durch das dezent dargestellte magisch-mythische Geheimnis, das sich dem Helden und dem Leser erst nach und nach enthüllt. Der Roman mag einiges an Geduld fordern, weil er nicht immer leicht zu lesen ist, aber Sean Stewart beweist, dass man auch mit Archetypen und klassischen Motiven spielen kann, ohne die breit ausgetretenen Pfade üblicher High-Fantasy-Werke zu beschreiten, die sich an alten Sagen oder Klassikern des Genres orientieren. Sean Stewart beweist, dass es auch Fantasy gibt, die spannend und überraschend ist, obwohl sie ohne wilde Schlachten oder aufgeblasene Mystik mit bizarren Wesen vor exotischer Kulisse auskommt.

_Christel Scheja_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de veröffentlicht.|

Andreas Eschbach – Die blauen Türme (Das Marsprojekt 2)

Mit dem superneuen Raumschiff, der BUZZ ALDRIN, kommt Urs Pigrato, der Sohn des unbeliebten Statthalters der Marskolonie, zum Mars. Und ihm zeigt natürlich keiner, wie man die Verschlüsse eines Raumanzugs richtig bedient. Das ist im Weltraum immerhin eine Selbstverständlichkeit, die man im Schlaf beherrschen muss.

Urs erwartet, von den Marskindern gut aufgenommen zu werden, aber Carl hat einen Plan ausgeheckt, wie man den Fremden wieder loswird: Einfach ignorieren! So entsteht zwischen den vier Einheimischen und Urs eine unterkühlte Atmosphäre.

Den Kindern ist momentan der Aufenthalt bei den blauen Türmen verboten, denn viele Wissenschaftler sind nun dort stationiert und versuchen, sie zu erforschen. So müssen sich die Kinder im Alltag der Station langweilen. Dort passiert auch umgehend ein Zwischenfall: Der Reaktortechniker, der an Diabetes leidet, fällt auf einem Ausflug mit dem Rover ins Koma (wegen Unterzucker). Gleichzeitig wird von einem Saboteur die Kom-Anlage zerstört, so dass niemand in der Siedlung um Hilfe gerufen werden kann. Nur Urs, der bei dem Techniker ist, findet eine uralte Notrufeinrichtung, die noch funktioniert, und kann so das Schlimmste verhindern. Jetzt kommen sich die Jugendlichen doch näher, und ihre gemeinsame Frage lautet: Wer sabotiert auf dem Mars und nimmt dabei sogar Tote in Kauf? Keiner der Einheimischen, so viel ist sicher …

Andreas Eschbach lebt mittlerweile in der Bretagne in Frankreich (im Urlaub, wie er es nennt) und schreibt dort an verschiedenen Projekten. Noch 2005 soll ein weiterer Roman zur Perry Rhodan-Serie erscheinen, außerdem ist ein Roman in Arbeit, der mal wieder ganz anders als alle anderen werden soll. Da kann man ja mal gespannt sein. „Das Marsprojekt – Die blauen Türme“ ist der zweite Band seiner Jugendbuchreihe bei Arena.

Im vorliegenden Roman entwickelt Eschbach eine Kriminalgeschichte und versteht es entsprechend, selbst erwachsene Leser aufs Glatteis zu führen – auch wenn man im Nachhinein über seine eigene Leichtgläubigkeit lächeln kann. Eschbach entwirft zwei neue Charaktere, den neuen Sicherheitschef der Kolonie und einen dubiosen Journalisten. Einer von beiden scheint der Saboteur zu sein, man meint sogar, Eschbachs Verschleierungstaktik durchschaut zu haben, doch am Ende wird man überrascht. Toll gemacht und wieder sehr spannend zu lesen.

Im ersten Band spielte die Künstliche Intelligenz AI-20 noch eine zentrale Rolle. Das nimmt Eschbach jetzt etwas zurück und stellt die Charaktere in den Vordergrund, vor allem den „Neuen“ Urs Pigrato und seinen Vater Tom Pigrato, der auf einmal gar nicht so mies zu sein scheint, denn durch die Ansicht über den Sohn erhält er neue Facetten.

Bei den Marskindern bleibt die Entwicklung auch nicht stehen. Ariana, die offensichtlich voll in der Pubertät steckt, sehnt sich nach anderen Gleichaltrigen und plant deshalb die Rückkehr zur Erde. Bei näherem Nachdenken stellt sie aber fest, dass sie ihre Freunde Carl, Elinn und Ronny gar nicht verlassen will. Da bietet sich doch der fünfzehnjährige Urs als Trainingsobjekt an, denn irgendwie wird ihr immer ziemlich mulmig im Bauch, wenn sie ihm begegnet.

Eschbach geht einen Schritt weiter in Richtung „außerirdische Lebensformen“ und hebt die Decke über Elinns Geheimnis ein wenig: Das Leuchten und die Artefakte, die sogar laut Molekularanalyse natürlichen Ursprungs sind, werden zum festen Bestandteil im Leben der Marskinder (zu denen jetzt auch Urs gehört). Wahrscheinlich erwarten uns in diesem Bereich noch einige Überraschungen in den nächsten Bänden, denn die Gefahr der Sabotage konnte fürs Erste gebannt werden, aber die Türme hüten ihre Geheimnisse gut. Da muss unsere Hoffnung auf den Kindern liegen, und Urs spielt dabei keine unwesentliche Rolle! Es macht ihn gleich sympathisch, dass er sich gegen die Spionageversuche seines Vaters sträubt.

Mit dem Marsprojekt entwickelt Eschbach eine spannende, einfach und flüssig zu lesende Geschichte um unseren sagenumwobenen Nachbarplaneten, die sicherlich noch einiges zu bieten hat. Es lohnt sich, das Projekt zu verfolgen, und die Bücher bieten Jugendlichen einen schönen Einstieg in die Geheimnisse unserer Zukunft. Ich warte gespannt auf den nächsten Band.

gebunden, 304 Seiten
Originalausgabe

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Crompton, Anne Eliot – Gawain und die Grüne Dame

Wieder einmal entführt Anne E. Crompton den Leser in die Welt der Artuslegenden (siehe auch [„Merlins Tochter“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1154 ). Diesmal widmet sie sich dem laut Wilperts Lexikon der Weltliteratur „beste[n] Werk der mittelenglischen Artusdichtung“. Dieses „verbindet heimisch-germanische und französische Stiltraditionen und zeigt Bilder höfischer Kultur kontrapunktisch verbunden mit Schilderungen der wilden Natur und detailreicher Jagden. […] Das Werk zeigt den idealen Ritter in der höfischen Gesellschaft und auf einsamer Abenteuerfahrt.“

Da Crompton in ihrem Buch eine eigene Lesart des tradierten Stoffes anbietet, sei Wilpert auch noch zum Inhalt zitiert: „Der grüne Ritter soll im Auftrag der Fee Morgne [sic!] den Artushof demütigen. Gawain sucht auf mühsamen Wegen den Ritter, der zu einer Mutprobe (Kopfabschlagen) aufgefordert hatte. Im Schloß Bercilacs de Hautdesert kann er drei Tage den Verführungen der Schloßherrin widerstehen; am vierten trifft er den grünen Ritter, der ihm mit der Axt den Hals ritzt, da er einen lebenssichernden Gürtel, ein Geschenk der Dame, verheimlicht hatte. Der Ritter gibt sich als Bercilac zu erkennen und erklärt Gawain, dessen Tapferkeit und Tugend den Plan Morgnes zunichte gemacht haben, das Geschehen. Gawain schämt sich wegen seiner Feigheit; am Artushof wird er freudig empfangen und getröstet.“

Die Autorin behält dieses Schema im Wesentlichen bei, setzt aber die Akzente anders und erzählt eine (wesentliche und ausgedehnte) Vorgeschichte: Gawain, auf Erkundungsfahrt im Norden, erreicht ziemlich mitgenommen ein kleines Dorf. Dort wird ein Fest gefeiert – und kaum werden die Dorfbewohner seiner ansichtig, krönen sie ihn anstelle eines jungen Burschen zum Maikönig und machen ihn zum Mann der Maikönigin. Das ist Gwyneth, die (grün gekleidete) „Grüne Dame“, Angehörige einer Familie von Weisen Frauen (oder Hexen, wenn’s beliebt) – und eine äußerst sympathische, lebenslustige junge Frau, kräftig, lebendig, reizvoll, kein Burgfräulein oder dergleichen Ziergewächs mit Hoher Minne und all dem idealen Kram … Gawain muss bei ihr liegen und sie lieben, und zwar täglich, damit die Saaten gut gedeihen. Er hat denn auch Spaß daran, genau wie am guten Essen und am „Rittertraining“ mit den männlichen Dorfbewohnern; er weiß nicht, dass der Maikönig am Ende des Sommers den unsichtbaren Mächten, der Göttin geopfert wird. Als er es durch Zufall erfährt, erpresst er Gwyneth durch Liebesentzug – und da sie ihn wirklich liebt, willigt sie ein, gemeinsam mit ihm zu fliehen. Sie lässt sogar ihre Tochter zurück …

Natürlich endet die Geschichte nicht mit dieser Flucht (der Grüne Ritter tritt auch noch auf, keine Sorge), aber man erkennt schnell, dass Crompton zum einen die Traditionen feministisch geprägter Fantasy aufgreift (ohne sich freilich mit Werken wie „Die Nebel von Avalon“ messen zu können), zum anderen (gleichfalls tradiert) die alte Religion der Göttin, der Hexen und Druiden mit der neuen des Christengottes konfrontiert. Ihre Sympathien sind dabei eindeutig auf Seiten der Frau gegen den Ritter, auf Seiten der Göttin gegen Christus und Maria, auf Seiten des Alten gegen das Neue. Dennoch, und das ist angenehm zu lesen, verfällt sie nicht in Schwarzweißmalerei: Auch die Grüne Dame hat ihre dunklen Seiten, ist nicht nur Opfer, und Gawain wird nicht verteufelt – er macht Fehler, begeht Verrat (auch an seiner Ritterehre), aber er ist tapfer genug, sich der eigenen Schuld zu stellen. Und es ist schließlich ein Mann, der Druide Merry, Vater von Gwyneths Tochter, der entscheidend dazu beiträgt, dass der Hass erlischt, dass beide gelernt haben, was sie lernen müssen. Für Gawain freilich endet das Abenteuer nicht nur durch den Streich mit der Axt schmerzlich: Er erlebt die Schmerzen einer neuen Selbsterkenntnis und eines neuen Anfangs.

„Gawain und die Grüne Dame“ wird schnörkellos erzählt; auffällig ist die Eigenart der Autorin, ihre Protagonisten (vor allem die Titelfiguren) mit sich selbst reden zu lassen. Gwyneth tritt in ihren Kapiteln als Ich-Erzählerin auf, die das eigene Handeln reflektiert, aber auch Zwiesprache mit den Mächten (und Dämonen) der Natur hält, während Gawain quasi über zwei innere Stimmen verfügt, eine ermahnt ihn immer wieder, moralisch zu handeln. Das Werk wirkt homogen, denn es erzählt nur einen Zeitraum von gut eineinhalb Jahren, und Crompton konzentriert sich ganz auf die Vorgänge im bzw. beim Dorf und das Innenleben der beiden Hauptfiguren, einen kurzen, nötigen Ausflug an den Artushof ausgenommen. Auch Merlin oder Artus selbst treten nur in Nebenrollen auf, nichts wird hinzugefügt, was nicht nötig wäre. Es gelingt der Autorin, ihre eigene märchenhafte Geschichte zu schaffen und Probleme wie Mysterien zufriedenstellend aufzulösen (wobei, was auch gut ist, ein Rest Geheimnis bleibt). All dies macht das Buch zu einem durchaus empfehlenswerten Stück Lesestoff.

|Orginaltitel: Gawain and Lady Green
Übersetzt von Birgit Oberg und Birgit Reß-Bohusch|

_Peter Schünemann_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de veröffentlicht.|

Simmons, Dan – A Winter Haunting

Dieser spannende Geisterthriller führt den Leser zurück in die Welt von „Sommer der Nacht“. Doch diesmal ist die Landschaft winterlich und unsicher. Nicht alle Wesen, denen Dale Stewart, Professor an der Universität von Montana, begegnet, sind menschlich, auch wenn ihm das nicht sofort auffällt. Und es ist auch nicht immer eindeutig klar, ob Dale Stewart selbst ein Mensch ist. Möglicherweise ist er nach seinem gescheiterten Selbstmordversuch beides: ein Mensch |und| ein Geist. Das würde zumindest einiges erklären …

_Der Autor_

Dan Simmons ist bekannt geworden mit dem Horror-Roman „Sommer der Nacht“, der auch für „A Winter Haunting“ den Hintergrund bildet. Noch erfolgreicher wurde er allerdings mit Science-Fiction-Romanen: „Hyperion“ und „Der Sturz von Hyperion“ (auch: „Das Ende von Hyperion“) sowie „Endymion – Pforten der Zeit“ und „Endymion – Die Auferstehung“ fanden ein großes Publikum. Diese Tradition setzte er im Herbst 2003 (deutsch im Sommer 2004) mit seinem Roman „Ilium“ fort, in dem griechische Götter eine wichtige Rolle spielen. (Die Fortsetzung trägt den Titel „Olympos“.)

Außerdem ist Dan Simmons ein Verfasser exzellenter Kriminalthriller (z. B. „Darwin’s Blade/Das Schlangenhaupt“) und Kurzgeschichten (z. B. „Styx“ bei Heyne). Mit „Hardcase“ und „Hard Freeze“ hat er eine Krimireihe um den „gefallenen“ Privatdetektiv Joe Kurtz gestartet, die mit „Hard as Nails“ fortgesetzt wurde. Simmons lebt in Colorado.

|Dan Simmons bei Buchwurm.info:|
[Endymion – Pforten der Zeit]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=651
[Fiesta in Havanna]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=359
[Hardcase]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=789
[Hard Freeze]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=819
[Hard as Nails]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=823
[Ilium]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=346
[Das Schlangenhaupt]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1011
[Welten und Zeit genug]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=790

_Handlung_

Der vormals geachtete Uniprofessor und Romancier Dale Stewart, 52, zieht weg von Montana, zurück an den Ort, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachte, in den kleinen Ort Elm Haven, mitten in Illinois. Er hat seine Familie ebenso verlassen wie seine Karriere als Dozent für englische Literatur, um hier einen „richtigen“ Roman zu schreiben. Er will die Geschehnisse wieder lebendig werden lassen, die zum Tod seines Freundes Duane McBride führten, der elfjährig angeblich von einem Mähdrescher getötet wurde.

Und so mietet Dale das alte Farmanwesen, das Duanes Tante gehört hatte: „The Jolly Corner“, benannt nach einer Geistergeschichte von Henry James. Während der Keller und das Erdgeschoss gemütlich eingerichtet sind, trifft dies für das Obergeschoss keineswegs zu: Es ist versiegelt, zwar nur notdürftig mit Plastikplanen zugenagelt, aber immerhin. Und hier oben spukt es eindeutig: Geräusche, Lichter, ein leerer Raum, der von einem einzigen Gefühl erfüllt ist: Geilheit. Als sich Dale mal hierher wagt, ist der Aufenthalt lediglich peinlich.

Doch Dale kommt zunächst weder zum Schreiben noch zum Geisterjagen, denn die Außenwelt verlangt seine ganze Aufmerksamkeit. Fünf Skinheads haben es auf ihn abgesehen, weil er mal im Internet ein paarmal gegen die antisemitischen Kreise in Montana gewettert hat. Zweimal jagen sie ihn, und immer entkommt er ihnen, allerdings etwas lädiert.

Außerdem gibt es ein paar Gestalten, die direkt Dales Vergangenheit entstiegen zu sein scheinen. Sheriff C.J. Congden beispielsweise hatte dem jugendlichen Dale mal die Kanone an den Kopf gesetzt und gedroht, ihn in den Fluss werfen zu lassen. Seitdem ist Congden das Schreckgespenst, vor dem Dale jedes Mal Schiss bekommt.

Und da ist Michelle Staffney, die Dale in der Schule angehimmelt hatte und der Traum seiner schlaflosen Nächte war. Nun ist sie mit ihrer lesbischen Freundin Diane aus heiterem Himmel wieder in Elm Haven aufgetaucht, um das Haus ihrer Eltern wieder so instandzusetzen, dass es sich verkaufen lässt. Sagt sie jedenfalls. Aber die 51-jährige TV-Schauspielerin mit dem aufgemotzten Silikonbusen hat es eindeutig auf Dale abgesehen.

Schon wenige Tage nach seinem Einzug im Oktober beobachtet Dale einen kleinen schwarzen Hund auf seinem Grundstück. Keiner kann ihm sagen, wem der gehört. Doch merkwürdig: Der Hund scheint im Laufe der Zeit zu wachsen und Artgenossen zu bekommen. Nach vier Wochen sind aus dem kleinen schwarzen Hund fünf ausgewachsene Wolfshunde geworden. Dale bekommt es mit der Angst zu tun, denn das sind garantiert keine gewöhnlichen Hunde.

Auf seinem Laptop-Computer will er seinen Roman über das Jahr 1960 schreiben, das Jahr, in dem Duane McBride starb. Doch jemand oder etwas schreibt auch auf seinem PC! Jedoch nicht unter |Windows|, sondern auf der Zeile der |DOS|-Eingabeaufforderung. Und die Sprachen, die der Unsichtbare benutzt, stammen nicht aus Elm Haven, Illinois: Alt-Englisch, Alt-Ägyptisch, sogar Latein und Hethitisch. Aber Dale wäre kein Englischprofessor, wenn ihm nicht sofort die Zitate aus dem altenglischen Heldengedicht „Beowulf“, der altisländischen „Edda“ und dem ägyptischen „Buch der Toten“ auffallen würden. Hätte Duane diese Sprachen kennen können, fragt sich Dale? Durchaus, denn Duane war gelehrt und selbst Schriftsteller, allerdings ein ganz anderer als Dale.

Der Geist, mit dem Dale zu kommunizieren lernt, bezieht sich auf die schwarzen Hunde draußen, die er bei ihren ägyptischen Namen nennt, und auf Anubis, den hundeköpfigen Wächter der Totenwelt und Geleiter der toten Seelen, der die Höllenhunde befehligt. Und der Geist warnt Dale vor dem, was er werden wird: ein „warg“. Anders als bei Tolkien ist damit ein Mensch gemeint, der – wie ein einsamer Wolf – von der Gemeinschaft (wegen eines Verbrechens) ausgestoßen wurde und nun als Vogelfreier von jedermann ungestraft getötet werden darf. Wenn Dale an die Neo-Nazis in seiner Heimatstadt denkt, dann kommt ihm dieser Gedanke nicht ganz unwahrscheinlich vor.

Doch welches Verbrechen hat Dale begangen, dass ihm solches Schicksal droht? Er hat (vergeblich) versucht, sich mit einem Gewehrschuss umzubringen. Das war zwei Monate, nachdem sich seine Geliebte, die Halbindianerin Clare Two-Hearts, von ihm getrennt hatte. (Hat er sie aus Eifersucht umgebracht? Wir erfahren es nicht, aber er hat sie und ihren Lover verfolgt.) Und seine Frau hat sich von ihm scheiden lassen, er verlor seine beiden geliebten Töchter Mab und Katie.

Schon damals, im Sommer 1999, vor diesem verhängnisvollen Winter, war Clare mit Dale in die Blackfeet-Reservation zu einem alten Begräbnisort gefahren, um ihn in der Gemeinschaft der dortigen Geister zu lieben. Wenig später hatte sie ihm offenbart, dass sie ihn als Liebhaber ausgewählt hatte, weil er aussah, als sei er von einem Geist besessen. Und dieser Geist wachse: Etwas sei kurz davor, geboren zu werden.

Als Michelle Staffney, C.J. Congden und die fünf Skinheads auftauchen, um mit Dale zum Jahresende (dem Anbruch des neuen Jahrtausends) abzurechnen, wird es eng für Professor Dale Stewart. Wird er ein zweites Mal versuchen, sich umzubringen oder wird er diesmal kämpfen?

_Mein Eindruck_

Man könnte befürchten, dass ein Großteil dieses Romans aus nostalgisch-melancholischen Reminiszenzen bestünde. Aber auch wenn Dale sich an das Jahr 1960 erinnert, um mit Duane McBride und allem anderen klarzukommen – diese Geschichte wurde bereits in „Sommer der Nacht“ verarbeitet und auf großartige Weise erzählt. Es handelt sich um den Roman, den Dale in „The Jolly Corner“ angefangen hat. Jemand anderes hat ihn fertiggestellt, jemand, dessen Identität hier nicht verraten werden darf.

Daher kann sich der Autor in „A Winter Haunting“ – „haunting“ bedeutet sowohl Heimstatt als auch geisterhafte Heimsuchung – auf die Action konzentrieren. Und er macht das einfach so unterhaltsam, dass man an keiner Stelle mit dem Lesen aufhören möchte. Ständig ist was los, tauchen neue Figuren auf, zum Teil aus Dales Vergangenheit, teils aus der Gegenwart. Und es ist nicht sicher, ob die aus der Vergangenheit real sind oder Geister. Und wenn es Geister wären, so sähen sie doch verdammt real aus. Mindestens so real wie die großen schwarzen Höllenhunde …

In einer Schicht darunter kommuniziert Dale nicht nur mit dem Unsichtbaren via Computer, sondern erinnert sich auch an seine kürzlich zurückliegende Affäre mit Clare Two-Hearts, die sich ebenfalls mit Geistern auskennt. Nicht nur mit indianischen, sondern auch mit italienischen. Selbst im mondänen Paris kennt sie die gruseligsten Orte: die Katakomben, wo die Gebeine von sechs Millionen Menschen aufgestapelt liegen. Clare mit den zwei Herzen: Sie hat Dales Herz gebrochen.

Die Konfrontation mit Vergangenheit und Gegenwart verändert Dale. Er wird zu einem „warg“. Das liegt nicht nur an seiner Schlaflosigkeit, seinen Depressionen, seiner Kommunikation mit einem Geist, der Altenglisch beherrscht. Es liegt auch daran, dass er selbst besessen ist und es nicht bemerkt. Der Geist, der uns von Dale bis in alle intimen Details berichtet (so etwa die Affäre mit Clare), geleitet Dale ins Reich der Toten. Schließlich ist Anubis der Gott, den er verehrt. Wird Dale ein Wolf, ein „Höllenhund“ werden? Wer oder was wird ihn retten? Und wird es ihn danach noch geben?

|Ein ungewöhnlicher Geisterthriller|

„A Winter Haunting“ ist einer der ungewöhnlichsten Geisterthriller, die ich je gelesen habe. Unmerklich verändert nämlich der Autor durch die Perspektive der zwei „Erzähler“ die Sichtweise des Lesers auf die Dinge, von denen er erfährt. Viele Dinge entpuppen sich als etwas ganz anderes als das, wie man sie wahrgenommen und interpretiert hat.

Dennoch ist die Sympathie des Lesers stets auf Seiten Dale Stewarts, der nach Hause gekommen ist – angeblich um zu schreiben und sich zu retten, aber in Wahrheit, um endlich zu sterben. Dale tut all die richtigen Dinge, wie es scheint, und doch läuft alles irgendwie schief. Ganz einfach deswegen, weil ihm die richtige, flexible Perspektive fehlt, um das, was ihm an Unglaublichem widerfährt, richtig zu deuten und seine Handlungs- und Denkweise entsprechend anzupassen. Wir bangen um ihn, aber wir können ihn auch aus anderem Licht sehen, aus dem desjenigen, mit dem Dale per Computer kommuniziert (nicht per Internet oder Mobilfunk). Daher ist Dales Figur relativiert: ein schwacher Mann, der nach den gleichen Dingen strebt wie du und ich: Sex, Komfort, Reichtum, Macht. Am Schluss weiß er, dass all dies nicht wichtig ist, aber er weiß, wohin er zu gehen hat. Und das ist eine Menge mehr wert.

|Ein literarischer Thriller|

Dan Simmons ist schon so lange im Horrorgeschäft, dass er sie alle kennt. Natürlich auch Stephen King und Dean Koontz. Aber er weiß auch, woher diese Erfolgsautoren kommen, auf welcher Tradition sie aufbauen. Einer der wichtigsten Autoren ist der Amerikaner Henry James, der sich mit Herbert George Wells, dem Autor von „Die Zeitmaschine“, ein paar Jahre einen berühmten literarischen Streit lieferte.

James schrieb die klassiche Gruselgeschichte „The Turn of the Screw/Die Drehung der Schraube“, aber auch „The Jolly Corner“, die Geschichte über ein Haus, in dem ein Amerikaner, der sein Leben in Europa verbracht hat, sein alternatives Ich trifft, das sich so entwickelt hätte, wenn er im Lande geblieben wäre. Für James – wie für Simmons – ist diese Story sehr symbolisch. Dale Stewart kehrt aus der Fremde (Montana) zurück, und in seinem Heimatort begegnet er Gestalten aus seiner Kindheit. Nicht nur lebendigen Menschen, auch Geistern. Und Michelle Staffney liefert ihm eine überraschend andersartige Interpretation der James-Geschichte …

Der Totengott Anubis, die schwarzen Höllenhunde, schließlich Beowulfs Ungeheuer, das um die große Halle des Königs schleicht. Alle diese literarischen Figuren zeugen von großer Belesenheit, erschlagen aber die Dale-Story nicht, sondern sind ihr integraler Bestandteil und wichtig für ihre Weiterentwicklung. Sie bilden das mystische Unterfutter, die psychologisch relevante zweite Schicht für Dales Existenz in Elm Haven.

Anubis‘ Funktion als Seelengeleiter entspricht Stephen Kings Sperlingen in dessen Roman „Stark – The Dark Half“, in dem es ja auch ums Schreiben geht, allerdings auch um einen gewälttätigen Widersacher, ein alternatives Ego. Dale Stewart hingegen hat keine Perspektive mehr, geschweige denn eine Alternative: Er ist gescheitert, und er weiß es, zumindest ganz tief drinnen.

_Unterm Strich_

Was hätte ein deutscher Autor aus diesem tiefgründigen Geister-Stoff gemacht? Ich wage gar nicht, mir das auszumalen. Wahrscheinlich wäre ein zäher melancholischer Mist dabei herausgekommen.

Dan Simmons hingegen weiß die Geschichte von Dale Stewart actiongeladen, sexy, temporeich, spannend und verdammt unheimlich zu erzählen. Die Relativität, die durch zwei Erzähler erzeugt wird (der zweite wird hier nicht verraten, aber man kann es sich denken), führt zu zahlreichen ironischen Effekten. Die Ironie macht uns aber Dale Stewart umso sympathischer, und wir sorgen uns um sein Schicksal, so unwahrscheinlich es auch sein mag.

Dies ist allerdings kein Roman, in dem dem Leser alles haarklein erklärt wird. Man muss schon gehörig mitdenken, möglicherweise zweimal lesen. Und die Sexszene mit Michelle Staffney ist sicherlich nicht unbedingt für Leser unter 16 geeignet.

|Ergänzend dazu: Dr. Michael Drewnioks [Rezension]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2956 der deutschen Ausgabe bei Heyne.|

Eschbach, Andreas – seltene Gabe, Die

Marie staunt nicht schlecht: Armand, der bei ihr eingebrochene Junge aus Frankreich, kann einen Zug mit der Kraft seines Geistes anhalten. Dumm nur, dass er wegen dieser Fähigkeit von den Militärs seines Landes ebenso verfolgt wird wie von den Geheimdienstlern Deutschlands. Warum musste er sich ausgerechnet ihr Haus als Unterschlupf aussuchen? Und soll sie ihm, dem seltsamen Überwesen, überhaupt helfen?

_Der Autor_

Andreas Eschbach, geboren 1959, schrieb mit „Das Jesus-Video“ einen der erfolgreichsten deutschen Unterhaltungs-Thriller: Er wurde von Pro7 verfilmt und als Hörbuch von |Lübbe| vertont. Inzwischen hat er neben Science-Fiction auch den spekulativen Wirtschafts-Thriller „Eine Billion Dollar“ und die Jugendbücher „Perfect Copy“ (über Kloning), „Die seltene Gabe“ (über Telekinese) und „Das Mars-Projekt“ (Trilogie) veröffentlicht. Im September 2003 erschien sein Roman „Der Letzte seiner Art“, in dem es um einen Kyborgsoldaten im Ruhestand geht. Eschbach lebt in der Bretagne.

|Andreas Eschbach bei Buchwurm.info:|
[Eine Billion Dollar]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=653
[Exponentialdrift]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=187
[Das Jesus-Video]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=267
[Der Letzte seiner Art]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=317
[Das Marsprojekt]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1102

_Handlung_

Marie ist eine durchschnittliche Schülerin, die in einer durchschnittlichen Familie ein durchschnittliches Leben führt. Bis zu einen bestimmten Tag, der ihr Leben auf den Kopf stellt. Ihre Eltern haben eine Karibikreise gewonnen und sind seit einer Woche weg. Marie führt den Haushalt und merkt sofort, dass etwas nicht stimmt, als sie von der Schule nach Hause kommt.

Es liegt keineswegs daran, dass auf den Straßen der Stadt Streifenwagen mit Blaulicht herumdüsen und per Lautsprecher Durchsagen machen, die sie nicht versteht. Nein, es liegt daran, dass in ihrem Haushalt Dinge fehlen: Lebensmittel hauptsächlich. Marie durchsucht das ganze Haus, und im Schrank wird sie fündig. Ein junger Mann springt heraus, der es sich darin gemütlich gemacht hat, komplett mit Decke und allem.

Armand, 17, ist Franzose und auf der Flucht vor der Polizei. Allerdings ist er kein bewaffneter Schwerverbrecher, wie die Polizei behauptet. Dennoch ist er immerhin in Maries Haus eingebrochen – bloß wie? Als sie ihm auf die Schliche kommt, demonstriert er sein spezielles Talent: Er kann Materie mit der Kraft seines Geistes bewegen – oder auch zerstören, so wie die schöne Lampe im Wohnzimmer.

Er zwingt sie, ihn zu begleiten, indem er ihr Gewalt androht. Keine sonderlich Vertrauen erweckende Methode, findet Marie. Sie packen das Nötigste zusammen, Marie schreibt eine letzte Nachricht an ihre Eltern, dann machen sie sich „vom Acker“. Allmählich geht ihr auf, dass Armand überhaupt keinen Plan hat. Wieso will er ausgerechnet in den ICE nach Dresden? Weil das der erste Fernzug ist, der ihn aus Stuttgart wegbringt. Na, und wie soll’s dann weitergehen?

In den Gesprächen, die sie zu führen beginnen, erklärt er ihr, dass er vor den militärischen Leitern jenes französischen Instituts wegläuft, in dem er sieben Jahre seines Lebens verbracht hat. Dort wurde seine Gabe weiterentwickelt. Doch der Anlass seiner Flucht war der Auftrag, einen anderen Menschen zu töten. Einen Mann namens Levroux, der über die Machenschaften von Geheimdienstlern aussagen würde, falls man ihn nicht ausschaltete – etwa durch einen telekinetischen Angriff auf sein Herz oder ein anderes lebenswichtiges Organ. Armand wollte das nicht, und als sein Aufpasser Pierre, ein Telepath, zu einer Beerdigung wegfuhr, nutzte Armand die Fluchtgelegenheit, die sich ihm erstmals bot.

Pierre ist hier, in Stuttgart! Und er hält nach Armand Ausschau. Selbst wenn Armand seine Gedanken abschirmen könnte, so würde doch Marie seine Anwesenheit und sogar seine Pläne verraten. So oder so – Marie hängt in der Sache tiefer drin, als ihr lieb und zunächst bewusst ist. Und viel später merkt sie, dass sie nicht mehr von Armands Seite weichen möchte. Denn sie erkennt, dass ihr Entführer kein „Monstrum“ ist, sondern ein menschliches Wesen. Sie trifft eine weitreichende Entscheidung.

_Mein Eindruck_

Die Story ist eine dichte und realistische Erzählung über ein außergewöhnliches menschliches Wesen und wie man es missbraucht hat. Anders als in Eschbachs Jugendroman „Perfect Copy. Die zweite Schöpfung“ findet die Hauptfigur nicht nachträglich heraus, was ihr angetan wurde (er wurde geklont), sondern Armand ist schon ziemlich mit zehn Jahren klar, dass er eine ungewöhnliche Gabe hat. Allerdings nicht viel ungewöhnlicher als die von Altersgenossen, die immer bei Mensch-ärgere-dich-nicht gewinnen. Armand hätte sich für immer und ewig in dem Institut verwöhnen und testen lassen, wenn man nicht von ihm verlangt hätte, einen anderen Menschen zu töten. Behauptet er jedenfalls.

Die Geheimdienstler, die ihn und Armand schließlich fangen, behaupten natürlich das Gegenteil. Und an diesem Punkt wird es spannend. Wird es diesen Leuten, die sehr deutlich beschrieben werden, gelingen, Armand und Marie auseinanderzubringen? Wird sie ihn wieder als „Monstrum“ ansehen und ihre Hilfe verweigern – oder ihn als Menschen betrachten und ihm zur Flucht verhelfen? Diese moralische Entscheidung ist eine der schwierigsten überhaupt, denn sie verlangt vom Entscheider, sich selbst neu zu definieren: als menschliches Wesen, das einen Andersartigen als gleichwertig einstufen muss.

Diese Relativität aus der Selbsterkenntnis (und aus Liebe) heraus ist die eigentliche Leistung, etwas, was man meist erst als Erwachsener zu tun hat. Sobald Marie eine solche Entscheidung getroffen hat, kann sie ihr Leben nicht mehr wie zuvor fortsetzen – unselbständig, unbewusst, frei von Verantwortung, kindlich eben. Dass die Geschichte gut ausgeht, ist nicht selbstverständlich, denn die beiden, Entführte und Entführer, streiten sich von Anfang an. Eigentlich müssten sich ihre Wege schon sehr bald trennen, doch dazu kommt es zum Glück nicht.

|Stil und Sprache|

Sprache und Darstellungsstil sind so einfach, aktuell und realistisch gestaltet, dass sich jedes Kind ab 12 Jahren damit leicht tun dürfte (das gilt natürlich nicht für Leute mit Leseschwäche). Weil aber die Hauptfiguren handeln wie Siebzehnjährige, wage ich zu bezweifeln, dass schon jeder Zwölfjährige diese Handlungsweise auf Anhieb versteht. Immerhin werden die Entscheidungen Maries somit schon vorstellbar – Akte der Toleranz, die dem jungen Leser hoffentlich auch in seiner Realität helfen, sie auszuüben.

|Humor|

In keinem Jugendbuch sollte eigentlich Humor fehlen, sonst macht das Lesen einfach keinen Spaß. Menschenskind – mit Telekinese könnte man ja die Welt aus den Angeln heben! Dass es nicht ganz so einfach ist, aber dennoch Spaß macht, zeigt der Autor an den Handlungen Armands. Er stibitzt einem jungen Mann, der nachts eine teure Sonnenbrille trägt, eben dieses absurde Accessoire, indem er es zum Himmel fliegen lässt. Die Reaktion des Bestohlenen ist schon recht lustig zu verfolgen: Er kichert wie ein Irrer.

|Schwächen|

Etwas unplausibel fand ich Armands Verhalten in Stuttgart aber doch. Der Junge, der seit sieben Jahren, aus der Provinz kommend, in einer Anstalt weggesperrt war, kennt sich hervorragend damit aus, wie der öffentliche Nahverkehr einer Großstadt funktioniert. Er studiert Fahrpläne wie ein alter Hase und kalkuliert mit Umsteigestationen, als wäre er Hartmut Mehdorn himself.

Als Entschuldigung kann man nur anführen, dass Armand ohne diese spezielle „Gabe“ noch nerviger geworden wäre, als er es für Marie eh schon ist. Wenigstens ist er auch nicht perfekt: Dass es in Stuttgart schon lange keinen „Westbahnhof“ mehr gibt, merkt er leider etwas zu spät. In diesem Gebäude könnte er höchstens einen heben gehen. Prost!

_Unterm Strich_

Der kurzweilige Jugendroman über einen Telekineten lässt sich locker in sechs Stunden lesen und bereitet keinerlei Verständnisschwierigkeiten. Dabei stellt der Autor seinen Helden keineswegs als Superman vor, sondern als einen Verfolgten, den die Militärs – wieder einmal – missbrauchen wollen.

Doch darauf kommt es dem Autor nicht an: Es geht um eine viel schwierigere Entscheidung, eine, die wir alle früher oder später in einer globalisierten Weltkultur fällen müssen: Lehnen wir den Andersartigen ab – oder können wir ihn als menschliches Wesen, das nur eben anders ist, akzeptieren? Wenn der Leser eine Antwort auf diese Frage in seinem eigenen Leben findet, ist schon viel gewonnen – und sicherlich genau das, was sich der Autor erhofft hat.

Müller, Raimund – Ritter der Euterpe, Die

Historische Romane üben schon seit langem eine große Faszination auf mich aus, stellen sie doch die Möglichkeit dar, beim Lesen in eine fremde Zeit einzutauchen, Figuren der Geschichte zu treffen und eine ganz andere Lebensart kennenzulernen. Auch geschichtlich kann man in gut recherchierten Romanen oftmals ganz nebenbei noch etwas hinzulernen. Darüber hinaus spielt ein Teil des vorliegenden Romans in meiner Heimat, dem Harz, sodass ich nicht umhin kam, mir Raimund Müllers Erstlingsroman zu Gemüte zu führen. Dem Buch zugrunde liegt eine dreijährige Recherchearbeit des Autors in zahlreichen Museen und Archiven, sogar die erwähnten Orte des Harzes hat Müller alle bereist, um die Schilderung der Szenerie möglichst wahrheitsgetreu klingen zu lassen.

_Ein Ritter der Euterpe_

Wir schreiben das Jahr 1757 und in Deutschland herrscht der Siebenjährige Krieg. Das Herz des jungen Northeimer Kantors Matthäus Müller ist für die Ziehtochter der Pastorenfamilie Völger entbrannt, doch Nanni soll dem Stadtphysikus versprochen werden. Angesichts dieses Liebeskummers kommt Matthäus ein geheimer Auftrag des Majors von Dethmer äußerst gelegen. In einem Schnellverfahren wird Matthäus aufgenommen in den Geheimbund „Ritter der Euterpe“, in dessen Mission er einen Kurierdienst ausführen soll, der ihn nach Blankenburg führen wird. Zuvor will Matthäus seinen Bruder Heinrich in Braunschweig besuchen. In Clausthal schließlich soll er einen Kurier treffen, der ihn nach Blankenburg begleiten wird, um dort dem geheimen Rat von Schlierstett eine Botschaft zu überbringen.

Doch schon nahe dem Städtchen Seesen trifft Matthäus auf feindliche Soldaten und muss seine geliebte Geige einbüßen, um sein Leben zu retten. In Clausthal eingetroffen, begibt Matthäus sich sogleich in ein Etablissement, um dort seinen Kurier zu treffen. Als ihn aber eine schöne Nymphe anspricht und ihm ihren Preis für eine Nacht nennt, beschließt Matthäus spontan, der schönen Frau, die sich als Sophia vorstellt, den Vorzug zu geben. Nach ihrer gemeinsamen Liebesnacht gibt sich Sophia als der besagte Kurier zu erkennen. Ohne weitere Vorkommnisse können die beiden ihre Nachricht in Blankenburg überbringen und anschließend noch drei Tage lang ihre Liebe genießen, bevor Matthäus wieder nach Northeim in sein altes Leben zurückkehrt. Gleichzeitig erlebt Matthäus‘ jüngerer Bruder Johann als Musketier in der Armee den Schrecken des Krieges aus erster Hand mit.

Nach Matthäus‘ Rückkehr wird Northeim von einer Kavallerie Franzosen überfallen. Während Matthäus nach eigener Erkundung der Lage für die Verteidigung der Stadt mit Waffen plädiert, ermöglichen Brandschatzverhandlungen den Feinden schließlich den Einlass in die Stadt. Die Frauen und Kinder suchen Schutz in der Kirche, doch sucht Matthäus dort vergeblich nach Nanni. Als er sie schließlich aus dem Pastorenhaus abholen will, wird er Zeuge, wie drei Soldaten Nanni vergewaltigen. Matthäus kann die fremden Soldaten zwar überwältigen, doch ist Nanni hinterher völlig apathisch. Aus lauter Verzweiflung beschließt Matthäus schlussendlich, Nanni zu Sophia und ihrer Freundin Maria zu bringen, damit diese mit ihren ganz eigenen Heilkünsten zur Gesundung seiner heimlichen Liebe beitragen können. Doch damit gerät nun auch Nanni in die Verwicklungen der Ritter der Euterpe …

_Von den Rittern zum Kriegsgeschehen_

Raimund Müller erzählt seine Geschichte in zwei verschiedenen Handlungssträngen. Neben der Handlung rund um Matthäus Müller, der in den Orden der Ritter der Euterpe aufgenommen wird, verwendet der Autor auch viel Zeit darauf, um über die aktiven Kriegsgeschehen zu berichten, die Matthäus‘ jüngerer Bruder Johann erleben muss. Die Wechsel zwischen beiden Schauplätzen geschehen jeweils am Kapitelanfang. Allerdings ist das Buch insgesamt nur in sieben umfangreiche Kapitel eingeteilt, sodass immer sehr lange Passagen zu lesen sind, bevor es zu einem erneuten Sprung in der Erzählung kommt. Als Nanni schließlich zu Sophia geschickt wird, nimmt auch die Schilderung ihrer Erlebnisse bei Sophia und ihrer Freundin Maria viel Platz ein, hier taucht Matthäus über weite Strecken gar nicht mehr auf.

Wünschenswert wären schnellere Wechsel zwischen den beiden Handlungssträngen gewesen, die eine straffere Erzählweise ermöglicht und vielleicht eine Verbindung über die Verwandtschaft der beiden Hauptfiguren hinaus geschaffen hätten. So bleiben beide Geschichten nebeneinander stehen, ohne viel miteinander zu tun zu haben, und die Zusammenführung am Ende kann auch nur als äußerst unbefriedigend bezeichnet werden. Müller legt dermaßen viel Wert aufs Detail, dass er sich oftmals in langatmigen und überaus detaillierten Schilderungen der Kriegsgefechte verliert und darüber seine eigentliche Handlung zu vergessen scheint. Besonders die Kapitel, die über Johanns Leben berichten, erfordern daher einen langen Leseatem und viel Wissen über die damalige Kriegsführung und das dazu notwendige Material. Raimund Müller verwendet bei seinen Schilderungen über die Kriegsführung viel Fachvokabular, das sich dem Laien manchmal leider auch nicht aus dem Zusammenhang erschließt; so setzt der Autor die Kenntnis von Begriffen wie Protze, Avancierriemen oder auch Kartätschen voraus. Ein Glossar wäre hier zum Verständnis wirklich hilfreich gewesen.

Einen Spannungsbogen habe ich im Buch gar nicht erkennen können. So gut wie nie weiß das Geschehen dermaßen mitzureißen, dass uns die Erzählung an das Buch fesselt. Eher wird dem Leser viel Durchhaltevermögen abverlangt, um sich durch die Kapitel rund um Johann Müller zu kämpfen. Inhaltlich berichtet der Autor hier viel über den Siebenjährigen Krieg, sodass diese Passagen passionierten Historikern sehr zusagen dürften. Doch sind es immer wieder die gleichen Kriegsgräuel samt Vergewaltigung und Abschlachtung der gefangen genommenen Frauen, von denen der Autor uns berichtet. Es passiert leider nicht viel Neues, das mitreißen könnte.

Einzig die Passagen über Nanni, die zwei Jahre lang bei Sophia lebt, unterhalten recht gut, da sie die handelnden Personen in den Vordergrund stellen. Die Geschichte des Siebenjährigen Krieges fungiert hier lediglich als historischer Hintergrund, vor welchem besonders Maria und Sophia einige gefährliche Situationen überstehen müssen. Der Begriff „Ritter der Euterpe“ fällt im Buch vielleicht ein halbes Dutzend Mal, sodass mir die Titelfindung dieses Romans absolut nicht klar geworden ist, da der Roman leider nur ganz am Rande von diesem Geheimbund berichtet. Der Klappentext lässt hier falsche Erwartungen aufkommen, da er Verstrickungen rund um den Geheimbund verspricht und den Handlungsstrang rund um Johann Müller komplett verschweigt.

_Historische Figuren und Szenarien_

Zunächst stellt Raimund Müller den Kantor Matthäus Müller in das Zentrum seiner Handlung. Der Leser erfährt mehr über Matthäus‘ Vergangenheit und seine musikalischen Begabungen. Gleichzeitig rückt auch Nanni in den Blickpunkt des Geschehens, da bereits im ersten Kapitel die aufkeimende Liebe zwischen den beiden jungen Leuten geschildert wird, auch wenn diese ihnen aussichtslos erscheint, da Nanni einem anderen Mann versprochen werden soll. Zu Beginn seines Romans konzentriert Müller sich auf die detaillierte Zeichnung einiger weniger Figuren, die durchaus gelungen ist. Spätestens wenn die Erzählung zu Johann wechselt, trifft der Leser auf dem Schlachtfeld allerdings auf so viele verschiedene Personen, dass man sich kaum die erwähnten Namen merken kann. Doch schon nach der ersten Schlacht mit vielen Opfern merkt man, dass die meisten Namen und Figuren keine wesentliche Rolle in der Romanerzählung spielen werden. Das macht die Geschichte doch etwas unübersichtlich.

Im Grunde genommen handelt der vorliegende Roman von nur fünf Personen, denn neben Matthäus und Nanni lernt der Leser weiterhin Johann Müller und natürlich Sophia und Maria genauer kennen. Die Vorstellung der Hauptfiguren überzeugt zu großen Teilen, viele Eigenschaften der Charaktere werden uns näher gebracht, doch bleiben einige Handlungsweisen doch äußerst undurchsichtig. Besonders Nannis Verhaltensweise als ein traumatisiertes Vergewaltigungsopfer wirkt wenig glaubwürdig.

Stellenweise lässt der Autor durchblicken, dass er seine Schauplätze bereist hat. So schildert er manche Szenerie dermaßen realistisch, dass man die Orte direkt vor Augen hat; besonders auffällig fand ich die kurze Beschreibung von Goslar, die mich sogleich in Gedanken vor die erwähnte Kaiserpfalz versetzt hat. Auch während der Schlachten nimmt Müller sich stets die Zeit, die Örtlichkeiten und Voraussetzungen für die Schlacht von mehreren Seiten zu beleuchten; in zahlreichen Szenen war ich beim Lesen dadurch mitten im Getümmel, weil die Schilderungen so realistisch waren.

_Sprachliches_

Durch die Verwendung altertümlicher Ausdrücke und umständlicher Sprache lässt Raimund Müller einen authentischen Eindruck der Zeit des Siebenjährigen Krieges entstehen. Die Dialoge könnten dabei tatsächlich der damaligen Zeit entnommen sein. Trotz der ungewohnten Sprache lässt sich das Buch dennoch leicht und flüssig lesen, da zumindest in den Kapiteln über Matthäus und Nanni keine unbekannten Vokabeln auftauchen, die das Verständnis beeinträchtigen könnten.

Auffällig ist außerdem, dass Raimund Müller kein Blatt vor den Mund nimmt. So berichtet er von verschiedenen Kriegsverbrechen und Folterungen, die ein ungutes Gefühl im Magen aufkommen lassen. Hier werden dem Leser ziemlich barbarische Methoden präsentiert, die man in derlei Details vielleicht gar nicht hätte wissen mögen. Nur die sexuellen Aussschweifungen der handelnden Figuren deutet Müller leidiglich knapp an und setzt genau dann eine Zäsur, wenn es gerade interessant zu werden beginnt. Der Phantasie des Lesers sind dadurch kaum Grenzen gesetzt.

_Äußerlichkeiten_

Optisch macht dieses Buch eher den Eindruck eines Fachbuches als den eines Unterhaltungsromans. So springt einem zunächst das ungewohnte Schriftbild ins Auge. Der Text dürfte in Times New Roman gesetzt sein, was ich von Romanen normalerweise nicht gewohnt bin. Auch wird jeder Absatz durch eine Freizeile verdeutlicht, die dem Leser auf den relativ großen Seiten die Orientierung erleichtert.

Aufgewertet wird der Roman durch einige sehr gelungene schwarz-weiß-Zeichnungen, die in vielen Details die Szenerie zeigen. Auch einige handgezeichnete Karten erlauben dem Leser ein schnelles Zurechtfinden, da viele der auftauchenden Ortsnamen nicht unbedingt geläufig sind.

Getrübt wird das Lesevergnügen leider durch zahlreiche Tippfehler, die eine simple automatische Rechtschreibkorrektur sofort hätte aufdecken müssen. In einigen Wörtern fehlen einzelne Buchstaben, manchmal ist ein Buchstabe zu viel und auch die Trennung am Ende einer Zeile ist nicht immer richtig. Für einen Preis von 24,90 €uro erwarte ich allerdings eine ordentliche Korrektur.

_Am Ende angelangt_

Nach knapp 700 Seiten historischer Erzählung, die viele Details über den Siebenjährigen Krieg und die damaligen Geschehnisse offenbart, bleiben zwiespältige Gefühle beim Leser zurück, denn Raimund Müller versucht angestrengt, die Ergebnisse seiner langen Recherchearbeit ebenso in sein Buch zu pressen wie die Geschichte um Matthäus und seine Lieben. Das Resultat ist ein dicker Wälzer, der nur schwer sein Zielpublikum finden wird. Historisch interessierte Leser werden sicherlich aufstöhnen angesichts der liebesdurchtränkten Rahmenhandlung samt sexueller Eskapaden der Hauptfiguren und schnulzigem Happy-End, während Leser auf der Suche nach einem unterhaltsamen Roman die Passagen rund um Johann womöglich komplett überspringen werden, da die detaillierten Kriegsbeschreibungen auf Dauer recht langweilig werden. Insgesamt wäre es der Erzählung sicherlich gut bekommen, sie an vielen Stellen zu straffen, da das Buch eigentlich keine Handlung für 700 Seiten mit sich bringt. Insgesamt war das Buch auszugsweise durchaus interessant und lesenswert, dürfte aber eher historisch ambitionierte Leser ansprechen als die Fans historischer Unterhaltungslektüre, da zu viele Informationen über die damalige Geschichte in die Erzählung einfließen und das Erzähltempo dadurch drastisch ausbremsen.

Volker Gallé & Nibelungenmuseum Worms (Hrsg.) – Siegfried – Schmied und Drachentöter (Nibelungenedition 1)

Die Nibelungen erleben seit einigen Jahren eine große Renaissance und dies spiegelt sich in unzähligen Publikationen zu diesem Thema wider. Selbst in der Fantasy sind sie seit Wolfgang Hohlbeins „Hagen von Tronje“ und „Der Ring der Nibelungen“ populär geworden, nachdem diese früher ausschließlich von angelsächsischen Themen beherrscht war. Vor allem Worms, die Stadt des Nibelungenliedes, setzt in den letzten Jahren ihren touristischen Schwerpunkt auf die Nibelungen und ihr ist es mit den jährlichen Nibelungen-Festspielen im Sommer gelungen, Worms als Theaterfestspielstadt neben Bayreuth mit Wagners „Ring der Nibelungen“ international zu etablieren. An Fachliteratur erscheinen die Wormser Nibelungensymposien, veranstaltet von der Nibelungenlied-Gesellschaft, in jährlichen Bänden. Diese sind jedoch recht wissenschaftlich aufbereitet, und eine populärere Publikation, die auch für die breite Masse interessant ist, fehlte bisher. Dies hat sich nun mit der Gründung des |Worms|-Verlages geändert, welcher in Zusammenarbeit mit der städtischen Verwaltung künftig die vielfältigen Thematiken, die sich aus der Sage ergeben, in Einzelbänden erarbeiten wird. Als Erstes erschienen ist der Band zu Siegfried, was durchaus gegen den Trend in der Gesellschaft zu sehen ist. Denn die Favorisierung von männlichen Heldenfiguren ist trotz der Filmindustrie eher unpopulär. Normalerweise wird das schon fast tabuisiert und speziell im Nibelungenlied richtet sich der Blick heutzutage normalerweise auf Hagen oder neuerdings auch aufgrund der feministischen Sichtweise auf die Frauenfiguren Brunhild und Kriemhild und deren Königinnenstreit.

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Robert J. Sawyer – Die Neanderthal-Parallaxe

Das geschieht:

Auf einer parallelen Erde des 21. Jahrhunderts haben die Neandertaler* den Homo sapiens abgelöst. Ohne ihre Naturverbundenheit zu verlieren, konnten die einstigen Höhlenmenschen eine auf Wissenschaft und Hightech basierende Zivilisation entwickeln. Ponter Boddit und Adikor Huld gehören zu den führenden Physikern ihrer Welt. In der Stadt Saldak haben sie in einer ehemaligen Mine ein Labor eingerichtet. Hier arbeiten sie intensiv an der Konstruktion eines Quantencomputers.

Während eines Experiments geschieht das Unerwartete: Ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum tut sich auf, durch den Ponter Boddit in ein paralleles Universum geschleudert wird. Zeit und Ort blieben unverändert, doch diese Erde wird von den kahlhäutigen „Gliksins“ bevölkert. Neandertaler gibt es nicht mehr. Ponter ist in einem Neutrino-Observatorium gelandet, das in der Tiefe der Creighton-Mine nahe Sudbury in Kanada angelegt wurde. Sein Erscheinen ist eine Sensation. Robert J. Sawyer – Die Neanderthal-Parallaxe weiterlesen

Nix, Garth – Abhorsen (Das alte Königreich 3)

Mit „Abhorsen“ führt Garth Nix seine Trilogie um „Das alte Königreich“ zum Abschluss. Der Band ist eine direkte Fortsetzung von [„Lirael“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1140 und damit nicht unabhängig von diesem lesbar.

Die junge Clayr Lirael hat ihr ganzes bisheriges Leben darunter gelitten, nicht wie die anderen ihres Volkes eine Seherin zu sein. Nur schwachen Trost hat sie in ihrer Arbeit als Bibliothekarin gefunden, bis zu dem Tag, als ihr befohlen wurde, sich auf eine Reise zu machen, die ihr ihre Bestimmung eröffnen würde.

Tatsächlich hat Lirael ihr Erbe und ihre Bestimmung gefunden. Nicht Prinz Sameth, sondern sie ist die kommende Abhorsen, die in die Fußstapfen Sabriels treten wird. Der Sohn des Königs ist dazu bestimmt, eine andere Aufgabe zu übernehmen. Welche, hat Sameth noch nicht herausgefunden.

Es bleibt auch gar keine Zeit danach zu forschen, denn die untoten Horden des Nekromanten Hedge verwüsten das Land. Er scheint im Dienst einer viel größeren Macht eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, die auch auf das benachbarte Ancelstierre hinüberzugreifen droht. Und Nick, Sameths Freund aus Ancelstierre, ist zu seiner Geisel und seinem Helfer geworden.

Nach einem kurzen Aufenthalt im Haus der Abhorsen, in dem sie sich neu ausrüsten und wieder Kraft sammeln, machen sich Lirael und Sameth auf die gefahrvolle Reise in den Norden. Hedge hat ihnen Horden von Untoten auf den Hals gehetzt, damit sie ihn nicht aufspüren, doch die beiden jungen Leute lassen sich nicht beirren und entdecken schließlich, was der Nekromant im Schilde führt.

Nicht zuletzt die „fragwürdige Hündin“ ist ihnen in dieser Zeit eine treue Gefährtin und Helferin, denn sie scheint mehr über die Gefahren und die Macht zu wissen, die Hedge aus der Erde holen lässt. Es ist ein düsteres Vermächtnis aus den Anfängen der Zeit, noch bevor die Charter entstanden ist. Nun sind alle Kräfte und Fähigkeiten der beiden jungen Menschen gefordert, um dem Treiben Einhalt zu gebieten. Sie haben nicht mehr viel Zeit, um das drohende Verhängnis aufzuhalten und Nick zu retten.

Und da dürfen sie sich auch nicht von einer bitteren Nachricht entmutigen lassen: König Touchstone und die Abhorsen Sabriel sind offensichtlich bei einem Attentat in Ancelstierre ums Leben gekommen, und damit stehen die beiden jungen Menschen ganz allein auf weiter Flur.

Im Gegensatz zu [„Sabriel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1109 sind die Romane „Lirael“ und „Abhorsen“ nicht unabhängig voneinander lesbar, sondern bilden eine zusammenhängende Geschichte. Nachdem in „Lirael“ die Charaktere der nächsten Generation, ihre veränderte Welt und die neuen Feinde und Gefährten eingeführt wurden, geht es jetzt in „Abhorsen“ richtig zur Sache.

Zielstrebig gehen die junge Clayr und der Prinz ihren Weg und agieren, wie sie es für richtig halten. Die Handlung ist actionreich, rasant und lässt dem Leser bis zum Schluss kaum Zeit, Atem zu holen.

Das ist allerdings auch eine Schwäche dieses Romans; stellenweise überschlagen sich die Ereignisse zu sehr und manche Schilderungen wirken so abgehackt, dass man als Leser einen Bruch oder eine Kürzung im Roman zu entdecken meint. Garth Nix scheint auch kein Freund von langsamen Ausklängen zu sein … das Buch endet ebenso abrupt wie manch ein Kapitel.

Nichtsdestotrotz bietet auch Abhorsen gute Unterhaltung mit faszinierender Magie, die vor allem in diesem Buch eine Hauptrolle spielt und mythische Dimensionen annimmt, einer spannenden actionreichen Handlung mit gruseligen Szenen und einem zufriedenstellenden Ende.

Aber auch hier lässt sich Garth Nix ein Hintertürchen offen, um vielleicht eines Tages aus der Trilogie einen Zyklus zu machen – das Potenzial und die Konflikte für weitere Geschichten aus dem „Alten Königreich“ – ob nun aus der Zukunft oder der Vergangenheit – sind da.

_Christel Scheja_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de veröffentlicht.|

Nevis, Ben – Die drei ???: Poisoned E-Mail (Engl. Ausg.)

Die altbekannte Jugendserie macht sich auf zu neuen Ufern. Schon komisch; nicht nur, dass die Gestaltung der Bücher seit Anfang 2005 ohne Konterfei und Namen des mit ihnen assoziierten Gönners Alfred Hitchcock auskommen muss, da die Lizenz ausgelaufen ist. Das eigentlich viel Bemerkenswertere ist vielmehr, dass die Serie nun zum Teil ins Englische übersetzt wird. Früher war es ja genau umgekehrt, doch seit geraumer Zeit führen ausschließlich deutschsprachige Autoren die Geschichten weiter, was am anhaltenden und ungebrochenen Beliebtheitsgrad der drei Detektive hierzulande liegt, während sie in ihrem Ursprungsland wohl schon lange wieder verschwunden sind. Der Grund für die Übertragung ins Englische liegt aber weniger darin, den dortigen Markt zurückzuerobern, sondern vielmehr soll damit den deutschen Jugendlichen ein besseres englisches Sprachgefühl vermittelt werden.

Amerikanisches Englisch, um es präzise zu formulieren. Inklusive einer „Vokabelhilfe“. Anfang April 2005 sind zwei Fälle der drei Junior-Schnüffler in angloamerikanischer Fassung bei FRANCKH-KOSMOS als Hardcover erschienen: „Das Hexen-Handy“ und „Gift per E-Mail“. Deutlich zu erkennen an der „Stars and Stripes“ Flagge auf Buchrücken und Frontcover, nebst dem Hinweis „American English“. Ob noch weitere Geschichten diesen Weg (und vielleicht in andere Sprachen) gehen werden, war bislang nicht zu ermitteln, dies ist aber zu erwarten, wenn das Konzept sich (durch entsprechende Verkaufszahlen gestützt) als erfolgreich erweist. Die beiden Fälle dürfen somit vorerst als Versuchsballons dafür angesehen werden, ob diese Idee auch bei den Lesern ankommt und gewürdigt wird.

_Zur Story_

Meg Baker ist passionierte Taucherin und insbesondere Wracks haben es ihr angetan. Erst kürzlich ist ein kleiner Kutter bei einem Unwetter in den seichten Gewässern vor Rocky Beach abgesoffen. Als sie zusammen mit einer Bekannten einen Tauchgang dorthin unternimmt und versucht, durch ein Leck ins Innere zu gelangen, hat sie eine äußerst unangenehme Begegnung mit einer Riesengruppe ziemlich giftiger Quallen. Eine renitente Spezies mit potenten Nesselkapseln – blöderweise reagiert sie auch noch allergisch auf die Viecher. Ihre Tauchpartnerin kann sie bergen und bewusstlos ans Ufer schaffen. Verständlich, dass Mrs Baker auf die schwabbeligen Tierchen fürderhin nicht gut zu sprechen ist. Das für sich genommen, kann man als unglücklichen aber halbwegs normalen Tauchunfall apostrophieren. Wo ist nun der Fall für die drei Detektive?

Erstens gehören diese Quallen nicht in das Innere eines Wracks und schon gar nicht in dieser Konzentration. Zudem hat Mrs Baker kurz nach dem Zwischenfall eine wenig erbauliche E-Mail erhalten, in deren Anhang sich ein niedlicher, aber nickeliger Virus befindet. Der Payload des elektronischen Plagegeists äußert sich als Ansammlung von virtuellen Quallen, welche sich überall im System bis Oberkante Unterlippe breit machen. Zufällige Ironie des Schicksals, Wahnvorstellung oder doch böse Absicht eines Finsterlings? Letzteres liegt nahe. Das ist auch der Grund, weshalb die angenervte Mrs Baker bei Justus, Peter und Bob in der Zentrale eine dringende Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlässt und um Hilfe bittet. Ein ehemaliger Klient der drei Fragezeichen hat ihr die Jugendschnüffler wärmstens empfohlen. Leider ist die gute Frau nicht grade mit einem dicken Geduldsfaden gesegnet, was ihr Quallen-Problem angeht.

Als Justus etwas später zurückruft, ist Mrs Baker grade im Begriff, sich einem anderen Privatdetektiv zuzuwenden – einem professionellen Erwachsenen aus dem angrenzenden Santa Monica. Der sei schon auf dem Weg. Tief in seiner detektivischen Ehre erschüttert und gekränkt, schafft er es jedoch, es so zu drehen, dass wer als erstes bei ihr erscheint, den Job bekommt. Natürlich rasseln die drei Jungs vor dem Haus der potenziellen Neu-Klientin in ihren Konkurrenten: Dick Perry. Und ebenso natürlich ist der Typ ein widerlicher Schleimbeutel. Ohne sich auf etwaiges Fairplay einzulassen, schnappt er ihnen den Auftrag mit krummen Methoden vor der Nase weg. Unnötig zu erwähnen, dass die Jungs nicht locker lassen und ihrerseits an dem Fall dranbleiben. Inoffiziell. Die Lage spitzt sich zu, als ein Schulkollege der drei im unmittelbaren Zusammenhang mit den Ermittlungen gekidnappt wird.

_Meinung_

„Gift per E-Mail“ stammt aus der Feder von Ben Nevis (Erstveröffentlichung 2002 in deutscher Sprache) und zählt auch bei den Hörspielen zu den besseren Storys. Und zu den moderneren. Die drei Fragezeichen gebieten zu diesem Zeitpunkt der Serie bereits über Computer und eigene Autos. Trotzdem sind die Fahrräder der Jungs nicht vollständig vom Tisch und die Autos von Bob und Peter werden nur dosiert eingesetzt. Nevis besinnt sich auf traditionelle Elemente, welche die Serie groß gemacht haben. Zum Beispiel ein Rätselreim oder die berühmte Telefon-Lawine kommen zum Einsatz. Jetzt ist es allerdings die E-Mail-Lawine. Man geht mit der Zeit. Realistisch daran ist, dass diese Art der Informationsbeschaffung auf Basis der stillen Post auch ein Bumerang sein kann. Dann nämlich, wenn die E-Mail-Anfrage die falschen Kreise erreicht. Merke: Auch der PC der pfiffigen Schnüffelnasen ist vor Viren nicht gefeit.

Vor allem aber der Aspekt, einen mindestens ebenbürtigen Gegner in Gestalt von Dick Perry vor sich zu haben, macht den Fall sehr interessant. Konkurrenz belebt eben das Geschäft, zudem wurde die ewig alte Leier, die Ermittlungen ohne große Rückschläge ablaufen zu lassen, auch irgendwann mal langweilig. Diesmal müssen die Junioren ein paar Kröten (respektive Quallen) schlucken und sich ganz schön strecken, bis sie beim finalen Showdown dann doch wie gewohnt (und erhofft) triumphieren dürfen. Bis dahin ist es aber ein steiniger und verschlungener Weg, der buchstäblich erst auf den letzten beiden Seiten des Buches die Wendung zum Guten erfährt. Vorher sieht es tatsächlich so aus, als müssten Justus, Peter und Bob zum allerersten Mal eine deftige Niederlage einstecken. Perry ist ihnen stets eine Nasenlänge voraus.

Der ins US-Englische übersetzte Text ist für Leser mit mittleren bis guten Kenntnissen flüssig zu lesen und gut zu verstehen. Amerikanisches Englisch unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom britischen. Das hierzulande in der Schule großteils vermittelte Oxford-Englisch ist dagegen vergleichsweise steif, bildet aber die Basis, über die man verfügen sollte. Das verwendete Amerikanisch ist lockerer, flotter und irgendwie lebendiger. Damit man sich nicht verheddert, sind besonders interessante und/oder ungewöhnliche Vokabeln sowie typische Redewendungen in Fettdruck mitten im Text hervorgehoben. In der Fußnote jeder Seite stehen direkt die Übersetzungen der auf der Seite hervorgehobenen Begriffe und Formulierungen. Dies sind zwischen drei und sechs pro Buchseite. Am Anfang ist dies für den Lesefluss recht störend oder sagen wir besser: ungewohnt, da der permanente Fettdruck einzelner Textelemente doch etwas irritiert.

Man gewöhnt sich aber daran und bemerkt, dass diese Lösung gegenüber einer stupiden Auflistung der betreffenden Vokabeln und Phrasen in einem Appendix durchaus Vorteile hat. Man muss nicht blättern, sondern ein kurzer Blick nach unten genügt. Sofort ist man wieder mitten im Geschehen. Bekannte Ausdrücke überspringt man nach einer Zeit automatisch und pickt sich bei Bedarf nur die wirklich Interessanten heraus. Aufschlussreich sind insbesondere Slang-Ausdrücke, Aphorismen und Metaphern, etwa die amerikanischen Äquivalente für „Leichen im Keller haben“, „Feierabend machen“ oder „Die Hosen voll haben“, um mal ein paar umgangssprachliche Beispiele zu nennen, die vielleicht nicht jedem geläufig sind, sich aber im Alltagsgebrauch als nützlich erweisen können. Manche erläuterten Begriffe kommen leider doppelt vor, wobei sich mir der Sinn dahinter nicht ganz erschließt – ich vermute ein Versehen bei der redaktionellen Bearbeitung und Auswahl.

_Fazit_

In erster Linie dürften mit einer Veröffentlichung wie dieser Schulen angepeilt sein, die ihren Englisch-Unterricht damit aufwerten können, dass – statt des normalen Stoffs des Lehrplans – bekanntermaßen beliebte Jugendliteratur in einer anderen Sprache gelesen wird. Doch auch für gestandene Fans und alle sprachinteressierten Leseratten bietet sich hier Gelegenheit, eventuell verschüttete Kenntnisse aufzufrischen bzw. -bessern. Das macht schon aufgrund der gut ausgewählten Story von „Poisoned E-Mail“ Spaß. Die Übersetzung ist modern, unkompliziert und recht leicht zu bewältigen, jedoch nicht anspruchslos geraten. Das Konzept mit dem Transfer ins Englische inklusive der Vokabelhilfe ist eine nette Idee. Es wäre wünschenswert, dass das auf mehr der Fälle der drei Fragezeichen (zumindest diejenigen aus „deutscher Produktion“) ausgedehnt wird. Bislang sind es zwei davon, verdient hätten es noch einige andere.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

Originaltitel: „Die drei ??? – Gift per E-Mail“
Erzählt von Ben Nevis
basierend auf den Charakteren von Robert Arthur
Erstveröffentlichung: 2005 / Franckh-Kosmos, Stuttgart
Übersetzung ins Amerikanische: Andreas Zantop
Seiten: 144 / Hardcover
ISBN: 3-440-10065-0
ISBN: 3-440-10353-6 (Deutsche Sprachfassung, 2002; aktuelle Auflage Februar 2005)

Gaiman, Neil – Messerkönigin, Die

Dieser erste bei uns veröffentliche Storyband von Neil Gaiman ist eine Fundgrube von Ideen für Fantasy- und Krimileser. Die Geschichten sind vielgestaltig wie ihre Themen: Legenden, realistische Storys, Fabeln, Gleichnisse, Märchen, Balladen – die berühmten langzeiligen Erzählgedichten Gaimans ebenso wie kunstvoll gedrechselte Sestinen.

Zu jedem Beitrag der Sammlung hat Gaiman einen Begleittext zur Entstehung und dem Ort des ersten Erscheinens verfasst. Diese Texte hat er in einem langen Einleitungskapitel zusammengefasst. Wer also darauf keinen Wert legt, kann gleich mit dem zweiten Kapitel loslegen.

_Der Autor_

Neil Gaiman ist seinen Lesern vor allem als einfallsreicher Autor der gruseligen und einfallsreichen „Sandman“-Comicbooks bekannt. Er hat mit „Die Messerkönigin“ ausgezeichnete Grusel-, Fantasy- und Märchenstorys vorgelegt, sowie mit „Niemalsland“, „Sternwanderer“ und „American Gods“ drei vielbeachtete Romane (alle bei |Heyne| verlegt). Gaiman erzielte mit seinem Real-Fantasy-Roman „Niemalsland“ auch hierzulande einen Bestseller.

_Die Storys_

Welcher Idiot hat eigentlich die Liebe erfunden? Schon kurz nachdem sie im himmlischen Design-Center der Engel entworfen und getestet worden ist, fordert sie bereits das erste Todesopfer: der verlassene Engel bringt den Geliebten um – ein klarer Fall für den Racheengel des Herrn. Hierzulande wäre die jedenfalls so nicht durch den TÜV gekommen. Aber zu der Zeit, als Er das Universum in die Phase des Prototyps gehen ließ, hatte Er völlig freie Hand. Er erfand sogar ziemlich neumodische Sachen wie etwa auch den Begriff des Todes (und später sogar, noch schlimmer, erfand Er Geschlechter!). Kein Wunder, dass über solch bedenklichen Vorfällen wie gemeuchelten Engeln sein Oberengel Luzifer, der Feldherr der Heerscharen, ins Grübeln kam und sich fragte, ob es nicht besser sei, zur Abwechslung mal auf die Stimmen aus der Finsternis zu hören …

Überhaupt bekommen Neil Gaimans Hauptfiguren, die in unseren Legenden und Sagen schon so lange als Bösewichte und Übeltäter verleumdet worden sind, in seinen in „Die Messerkönigin“ gesammelten Geschichten und Gedichten endlich ihre Chance, die Dinge ins rechte Licht zu rücken.

So entspricht es offensichtlich auch nicht den Tatsachen, dass Schneewittchen als Unschuld vom Lande von ihrer Stiefmutter aus reiner Eifersucht getötet wurde. Nicht doch! Vielmehr ist das Mädchen, das durch spätere Propaganda als „Schneewitchen“ bekannt wurde, eindeutig ein Vampir, der seinen Liebesopfern das Blut aussaugte. In der Geschichte „Schnee, Glas, Äpfel“ lässt ihr die Gemahlin des von diesem Vampir zu Tode gebrachten Königs denn auch als Vergeltung das kalte Herz herausschneiden und die Leiche in den Wald bringen. Sie hätte es besser wissen müssen!

Vampire wie das untote Mädchen treiben weiterhin ihr Unwesen. Erst als die verantwortungsbewusste Königin die kleine Vampirin per Apfel vergiftet, kehrt Frieden im Land ein. Doch leider nicht für lange: Denn ein ausländischer Prinz hat sich in das in Glas und Kristall eingesargte Mädchen verguckt und befreit es. Nun schlägt der Königin die letzte Stunde: Denn selbstverständlich heischt die Vampirin Rache, die ihr der von Liebe umnebelte Prinz allzu gerne verschafft. Die Königin landet wie eine gewöhnliche Hexe im Ofen.

Es ließen sich noch weitere Beispiele anführen, wie Gaiman, der Autor der „Sandman“-Comicbooks, die bekannten Geschichten gegen den Strich bürstet und ihre Schurken endlich zu Wort kommen lässt. Vampire, Grendel-Ungeheuer („Baywolf“ ist eine drollige Verbindung aus „Beowulf“ und „Baywatch“) , Trolle, Vogelmädchen und Werwölfe finden sich hier, aber auch H. P. Lovecrafts Große Alte (in „Old Shoggoths Peculiar“) feiern ein Wiedersehen mit der ahnungslosen Welt. Mehrmals, wen wundert’s, geht dabei die Welt unter.

|Liebe, Begehren und Tod|

Viele der Geschichten enthalten erotische Elemente. Doch Gaiman, man ahnt es bereits, hat seine besondere Sicht auf das, was man gemeinhin für erotisch hält. Sex, Liebe, Begehren und Tod sind für ihn eng verwoben. Daraus ergibt sich ein in der Regel tragischer Verlauf aus der erotischen Begegnung.
Am zugänglichsten sind für Krimileser zwei Geschichten um die Traumfabrik Hollywood, die in diesem Band enthalten sind. Die erste, „Mordmysterien“, habe ich bereits eingangs gerafft wiedergegeben. Sie trägt diesen merkwürdigen Titel, weil sie sowohl ein Rätsel – mystery – als auch ein Mysterienspiel enthält. Ein Besucher aus England, der kurz mal seine amerikanische Ex-Freundin besucht, hat nach einem frustrierenden Liebesspiel einen Gedächtnis-Aussetzer. Schlaflos begibt er sich auf die Straße vor seinem Hotel und trifft einen Streuner, der sich eine Zigarette borgt und sich mit der erwähnten Geschichte revanchiert. Es könnte sich um Luzifer handeln. Am nächsten Tag liest der Engländer vom Tod seiner Ex-Freundin. Sie und ihre Tochter wurden Opfer eines brutalen Mordes …

|Star-Ruhm|

„Der Goldfischteich und andere Geschichten“ erzählt eine unheimliche Geschichte à la „Barton Fink“. Ein englischer Autor landet einen Bestseller über Charles Mansons Nachkommen und soll für ein Hollywood-Studio das Drehbuch schreiben. Natürlich in L. A. und zwar in keinem anderen Hotel als in dem, in dem John Belushi starb (ich glaube, das war das Chateau Marmont, aber der Hotelname wird nie erwähnt). Genau wie Barton Fink kann es der Engländer niemandem recht machen, doch bekommt er von einem der Gärtner, selbst schon über 90, eine recht merkwürdige Story erzählt. Eine junge Filmgöttin, June Lincoln, stirbt im Jahr 1926 kurze Zeit nach einem Filmerfolg. Auf ihrer Premierenparty küsste sie einen der drei Goldfische im Teich des Hotels. Diesen Fisch nannte der Gärtner daher Princess. Die anderen beiden hießen Ghost und Buster. Merkwürdig findet unser englischer Freund, dass die Goldfische ein genauso langes Gedächtnis haben wie die Fahrten von Punkt A nach B in L. A. dauern: dreißig Minuten. Und auch die Studiogewaltigen haben eine entspechend kurzes Gedächtnis. L. A. ist ein mit Geistern gefüllter Teich, in dem die Goldfische (auch die Stars!) einander schon nach kurzer Zeit vergessen haben und sich begrüßen, als hätten sie den anderen nie zuvor gesehen.—Es gibt nur wenige Geschichten wie diese, die ein reales Geschehen mit einem surreal und ominös aufgeladenen Symbol (dem Teich) so gut erklären.

|Humor|

Auch der Humor kommt nicht zu kurz: So etwa wird der heilige Gral nicht vom edlen Ritter Sir Galahad auf seiner ewigen Suche gefunden, sondern von einer schrulligen alten Witwe bei einer Wohltätigkeitsorganisation. Und die lässt sich den Gral, als Galahad ihn kaufen will, schon gut entgelten. So ist wenigstens der Stein der Weisen doch noch zu etwas nutze.

_Unterm Strich_

Man kann dieses Buch an jeder beliebigen Stelle aufschlagen und wird sofort eine interessante Idee, eine gewagte Beschreibung oder verblüffend-provokante Aussage finde. Ein Buch, das mit keinem Beitrag langweilig ist. In mancher Hinsicht erinnerte es mich an Clive Barkers [„Bücher des Blutes“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=538

Opfer der Zeitdiebe lesen die Storys oder Langzeilenpoeme von zwei bis vier Seiten. Leute mit mehr Zeit auf ihrem Konto können ihr Vergnügen auf bis zu 40 Seiten auskosten.

Warnung: Manche Geschichten sind für Leser erst ab 16 Jahren geeignet, da die erotische Schilderung doch mitunter etwas drastisch ausfallen kann!

Die Übersetzung ist brauchbar, hat aber durchaus Fehler. So hat sich die Übersetzerin nicht die Mühe gemacht, mal einen falsch geschriebenen Buchtitel von C.S. Lewis nachzuschlagen: „Dawntrader“ statt richtig „Dawntreader“. Daher kommt natürlich im Deutschen eine völlig falsche Bedeutung heraus.

Gegenüber der Originalausgabe wurde ein Beitrag gestrichen: „Eaten“, eine Art Drehbuch.

|Originaltitel: Smoke and mirrors, 1998
Aus dem Englischen übertragen von Ingrid Krane-Müschen|

Anne Eliot Crompton – Merlins Tochter

Der wievielte Artus/Merlin/Morgaine/…-Roman ist das eigentlich? An die zehn habe ich rezensiert, gelesen weit mehr. Die Highlights waren Mary Stewarts Merlin-Zyklus und natürlich MZBs „Die Nebel von Avalon“; den Tiefpunkt markierte Susan Shwartz’ „Der Wald von Broliande“. Und alle mischten die Karten neu, besetzen Rollen um, rückten Verhältnisse in ein anderes Licht…

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Ed McBain – Der anonyme Brief (auch: Nackt ist die beste Maske)

Das geschieht:

„Ich will die Lady heute Abend um 8 Uhr umbringen. Tun Sie was dagegen, wenn Sie können!“

Hochsommer in Isola, der 8-Millionen-Stadt, die irgendwie an New York erinnert. Es ist heiß, Abkühlung nicht in Sicht. Sogar die braven Bürger drehen allmählich durch, fallen tot um oder übereinander her. Im 87. Polizeirevier schmachten die chronisch überlasteten Beamten. Bei diesem Wetter gesellen sich zu den üblichen Strolchen die gefürchteten Spinner mit ihren seltsamen, oft genug mörderischen Einfällen. Einer ließ der Polizei die eingangs zitierte Nachricht zukommen. Oder handelt es sich gar nicht um einen Spinner? Cotton Hawes und Steve Carella sind skeptisch. Sie halten es für durchaus möglich, dass ein irrer Mörder die Polizei zu einem Wettbewerb herausfordert. Oder will er etwa erwischt werden? Lieber auf Nummer Sicher gehen, so die Beamten, bloß: Welche Konsequenzen hat das für diesen Fall?

Ed McBain – Der anonyme Brief (auch: Nackt ist die beste Maske) weiterlesen

Brown, Dan – Meteor

Mit seinem hochspannenden und rasanten Verschwörungsthriller [„Illuminati“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=110 gelang Dan Brown der Durchbruch, seitdem verkaufen sich seine Bücher blendend und werden gerade erst aktuell durch die Werke des neuen Papstes von den Spitzenplätzen der Bestsellerlisten verdrängt. Sein mitreißender Schreibstil ist es, der Browns Bücher zu einem besonderen Leseerlebnis macht, und auch die meist faszinierende Thematik, derer sich Brown bedient. In „Meteor“ rankt sich die gesamte Geschichte um einen Meteoriten, der mehr zu enthalten scheint, als auf den ersten Blick offenkundig wird …

_Schmutziger Wahlkampf_

In den USA herrscht Wahlkampf: Der karrierebesessene Senator Sexton tritt als Gegenkandidat gegen den amtierenden Präsidenten an, der durch seine kompromisslose Unterstützung für die NASA, die schon seit langer Zeit keine Früchte mehr getragen hat, langsam aber sicher ins Hintertreffen gerät. Genau an diesem Punkt setzt Sexton an, der die Verschwendung von Steuergeldern zu seinem heißesten Wahlkampfthema gemacht hat. Seine Tochter Rachel arbeitet im Weißen Haus für den amtierenden Präsidenten und weigert sich, auf Bitten ihres Vaters hin ihren Job aufzugeben. Das Vater-Tochter-Verhältnis ist ohnehin angespannt, da Sexton sogar den Tod seiner Frau für seine eigene Publicity genutzt hat und vehement die Affäre zu seiner Wahlkampfhelferin Gabrielle Ashe abstreitet. Mit seiner Kampagne gegen die NASA zieht er mehr und mehr die Wählerstimmen auf seine Seite, da die meisten amerikanischen Bürger kein Vertrauen mehr in die NASA haben und daher ihre Steuergelder nicht mehr in deren Händen wissen wollen. Doch Sexton hat einiges zu verbergen, denn wie finanziert er eigentlich seinen kostspieligen Wahlkampf?

Kurz nach einem Treffen mit ihrem Vater wird Rachel überraschenderweise zum Präsidenten bestellt, der sie in die Arktis fliegen lässt, um dort eine sensationelle Entdeckung für ihn zu bestätigen. Die in die Kritik geratene NASA konnte dort nämlich durch ein neuartiges Satellitensystem einen großen Meteoriten aufspüren, der bereits seit fast 300 Jahren im ewigen Eis steckt und mit einer kleinen Überraschung in seinem Inneren aufwartet. Um diese sensationelle Entdeckung für die ganze Welt zu verifizieren, hat der Präsident der USA nun einige unabhängige Wissenschaftler auf das Milne-Eisschelf geschickt. Mike Tolland, der sich mit einem Wissenschaftsmagazin im Fernsehen und seinen Filmen über die Unterwasserwelt einen Namen gemacht hat, ist einer dieser Wissenschaftler. Er ist auch derjenige, der die Fernsehdokumentation über den Meteoriten für die weitweite Publikation zusammengestellt hat. Schließlich tritt der Präsident mit der Neuigkeit über den Meteoriten, der noch eine weitere Überraschung in sich birgt, vor die Weltpresse.

Doch in der Arktis schweben Rachel und die anderen Wissenschaftler plötzlich in Lebensgefahr, weil eine Delta-Force-Einheit gewisse Informationen vertuschen will, die mit dem Meteoriten zusammenhängen. Welches Geheimnis umgibt den Meteoriten? Und wer hat die Delta-Force-Einheit in die Arktis geschickt, um den Meteoriten zu bewachen?

_Rasanter Wissenschaftsthriller mit Schwächen_

Erneut hat Dan Brown einen Pageturner vorgelegt, den man nur schwer aus der Hand legen kann. Sein Schreibstil erinnert mich stark an Michael Crichton, denn auch Brown hält sich nicht lange mit detaillierten Beschreibungen der handelnden Personen oder der Situationen auf, vielmehr konzentriert er sich auf das Wesentliche und verschwendet keine Worte. „Meteor“ ist in mehr als hundert sehr kurze Kapitel eingeteilt, sodass keine langen und langatmigen Szenen zu überwinden sind. Darüber hinaus ist Dan Browns Wortwahl einfach, sein klarer und knapper Schreibstil macht seine Romane immer wieder zu einem kurzweiligen (hier aber auch kurzlebigen) Leseerlebnis.

Dan Brown eröffnet in seinem Thriller verschiedene Handlungsstränge, die sich durch das gesamte Buch ziehen. Größtenteils bleibt der Leser bei Rachel, die sich auf der Flucht befindet, zwischendurch erzählen andere Kapitel aber auch mehr über Senator Sexton, seine Wahlhelferin Gabrielle und über Rachels Chef Pickering, die ihrerseits ebenfalls interessante Entdeckungen machen können. Wie gewohnt findet der Wechsel zwischen zwei verschiedenen Handlungsfäden immer an der spannendsten Stelle statt; Brown weiß natürlich, wie er seine Leser bei der Stange halten kann.

Doch ist der Spannungsaufbau in „Meteor“ nicht so gelungen wie in Browns kirchlichen Verschwörungsthrillern. Zwar bekommt der Leser nach und nach immer mehr Informationen über den gefundenen Meteoriten vorgeworfen und möchte dadurch immer dringender wissen, was genau eigentlich hinter dem Fund steckt, doch zeichnet sich zu schnell ab, dass mit dem Meteoriten etwas nicht stimmen kann, sodass das Überraschungsmoment schließlich ausbleibt.

Trotz des wissenschaftlichen Themas bleibt das Buch auch für Laien gut lesbar, da Fachvokabular im Zusammenhang erklärt wird und keine Fragen offen bleiben. Brown beweist hier erneut, dass er viel Recherchearbeit in seine Romane investiert, in „Meteor“ spart er nicht an Informationen zur Bestimmung nicht-irdischen Gesteins, sodass man auf diesem Gebiet durchaus noch etwas dazulernen kann.

Leider bleibt bei aller Rasanz die Figurenzeichnung auf der Strecke, da sich Brown keine Zeit nimmt, um seine Personen zu entwickeln. Stattdessen bedient er sich oftmals vieler Klischees, um seine leeren Figurhüllen mit Inhalt zu füllen. In „Meteor“ stehen außerdem zu viele Personen im Mittelpunkt des Geschehens, als dass jedem genügend Aufmerksamkeit gewidmet werden könnte. Zu viele Wissenschaftler reisen auf das Eisschelf, zu viele Figuren tauchen in der Rahmenhandlung auf. Auch über Rachel Sexton, die im Zentrum der Handlung steht, erfährt der Leser wenig Neues. Häufig wiederholt Brown sich, immer wieder spielt er auf ihr gestörtes Verhältnis zu ihrem Vater an und erwähnt mehrfach ihre Angst vor Wasser, doch tragen diese mageren Informationshäppchen kaum dazu bei, sich ein umfassendes Bild von Rachel machen zu können.

Obwohl ich Wissenschaftsthriller sehr gerne lese und die Thematik äußerst interessant finde, kann „Meteor“ meiner Meinung nach nicht die gleiche Faszination entwickeln wie „Illuminati“ oder auch „Sakrileg“. Browns inszenierte Schnitzeljagd durch Rom zur Zeit des Konklaves ist einfach unübertroffen und auch die Rätselsuche im Pariser Louvre, die schließlich in London endet, weiß deutlich mehr zu überzeugen als die Hetzjagd, die Brown in „Meteor“ veranstaltet. Zu unlogisch und unrealistisch sind hier die Wendungen, zu aussichtslos die Situationen, aus denen die guten Helden sich schlussendlich zumindest teilweise doch noch retten können. Der Autor kann kaum überraschen, da er sich lediglich der altbekannten Regeln einer solchen Verfolgungsjagd bedient, bei der nur ganz bestimmte Personen bis zum Ende überleben können.

Selbst vor logischen Fehlern bleibt dieser Roman nicht verschont, denn zwischendurch präsentiert uns Dan Brown wie gewohnt den Bösewicht, der zuvor offensichtlich zu der Gruppe der Guten gezählt wurde. Doch führt dies zu einigen Unstimmigkeiten, da der heimliche Bösewicht eine zeitlang mit den Guten zusammen gearbeitet hat und daher über ihre Pläne aufgeklärt ist, doch später muss er sich eines anderen Tricks bedienen, um seine Opfer ausfindig zu machen. Außerdem weiß ich nicht, wie Brown diese Zusammenarbeit begründen will, da dem Bösewicht kaum daran gelegen sein kann, seinen Gegnern zu helfen. Warum hat er es also doch getan?

Insgesamt schneidet „Meteor“ im Vergleich zu Browns Verschwörungsthrillern schlecht ab. Etwas bedauerlich finde ich, dass er nach seinem starken Kirchenthriller „Illuminati“ ein vergleichsweise schwaches Buch wie „Meteor“ geschrieben hat, da er zuvor bereits bewiesen hatte, dass er es besser kann. Auch fällt negativ auf, dass Dan Brown sich immer wieder des gleichen Strickmusters bedient; kennt man also einen Roman, so überraschen einen die Wendungen in Browns weiteren Werken nicht mehr. Dennoch bleibt „Meteor“ durchaus lesenswert und dürfte Fans von Wissenschaftsthrillern im Allgemeinen und Michael Crichton im Speziellen gut unterhalten. Das Buch ist kurzweilig und gut zu lesen. Mir persönlich fehlte etwas die Faszination, welche von den Geheimgesellschaften und der spannungsgeladenen Szenerie in „Illuminati“ ausging, bei „Meteor“ hat Brown leider nicht ganz so viel aus der an sich interessanten Thematik herausgeholt. Aufgrund der logischen Schwächen und der etwas vorhersehbaren Handlung kann „Meteor“ daher nicht vollkommen überzeugen.

Patterson, James / Gross, Andrew – Rache des Kreuzfahrers, Die

„Die Rache des Kreuzfahrers“ ist ein temporeicher historischer Roman, dessen abenteuerliche Handlung im 11. Jahrhundert in der Zeit der ersten Kreuzzüge spielt. Action, Drama, Lovestory und jede Menge derber Humor sind die Hauptzutaten dieses „pageturners“. Mich hat erstaunt, wie untypisch dieses Buch für Patterson ist.

_Die Autoren_

James Patterson, geboren 1949, ehemaliger Besitzer einer Werbeagentur, ist der Autor von fünfzehn Nummer-1-Bestsellern (inklusive diesem Buch). Allerdings sind es vor allem seine Alex-Cross-Thriller, die den Leser berühren. Folglich war Alex Cross bereits zweimal im Film zu sehen: „Im Netz der Spinne“ und „… denn zum Küssen sind sie da“ wurden beide erfolgreich mit Morgan Freeman in der Hauptrolle verfilmt. Für Einsteiger sei gesagt, dass Alex Cross ein sympathischer schwarzer Polizeipsychologe ist, der mit seiner Familie in Washington, D.C., lebt.

Patterson ist extrem fleißig. Sein letzter Solo-Roman hieß „The Lake House“, doch inzwischen wurde auch „Sam’s Letter to Jennifer“ veröffentlicht, das ähnlich aufgebaut ist wie der |tearjerker| „Tagebuch für Nicholas“. Mittlerweile erschienen neue Alex-Cross-Romane mit den Titeln „The Big Bad Wolf“ und „London Bridges“. Im Januar und Februar 2005 sind zwei weitere Patterson-Romane erschienen, darunter „Lifeguard“. Nähere Infos finden sich unter www.twbookmark.com und www.jamespatterson.com. Patterson lebt mit seiner Familie in Florida.

Andrew Gross war Pattersons Ko-Autor an „Die 2. Chance“ (Limes-Verlag) und lebt in New York City.

_Der Sprecher_

Tobias Meister, geboren 1957 in Köln, steht seit seinem fünften Lebensjahr auf der Bühne. Er ist Schauspieler und Synchronregisseur. Als Synchronsprecher leiht er Brad Pitt, Kiefer Sutherland, Tim Robbins, Sean Penn und anderen seine Stimme.

_Handlung_

Frankreich Ende des 11. Jahrhunderts: Das Zeitalter der Kreuzzüge beginnt, zu denen Papst Urban aufgerufen hat, um das Heilige Land von den „Ungläubigen“ zu befreien.

In einem kleinen Provinzdörfchen hat sich der junge Hugh de Luc mit seiner Frau Sophie als Gastwirt zur Ruhe gesetzt – zuvor hatte er ein unruhiges Leben als umherziehender Gaukler „genossen“. Bis er sich in Sophie verliebte. Das Einzige, was den beiden zum vollkommenen Glück fehlt, ist ein Kind – und Freiheit von ihrem Oberherrn, dem Herzog Baudouin von Treille.

|Ins Heilige Land|

Seine Sehnsucht nach ungebundenem Leben in Freiheit wird Hugh zum Verhängnis: Er zieht mit einer zusammengewürfelten Soldatentruppe Richtung Palästina, um Ruhm und Beute zu erlangen. Sophie bleibt hoffend zurück, doch beim Abschied gibt sie Hugh eine Hälfte eines schönen Kammes mit, der ein Erbstück ist: ein Symbol der Treue, ein Versprechen auf ein Wiedersehen.

Die Katastrophe, in die sich Hugh begibt, hätte er sich nicht vorstellen können. Sterben die Männer nicht auf dem Fußmarsch durch die Gebirge des Balkans und Kleinasiens, dann an den Strapazen bei der Belagerung der wichtigsten moslemischen Festung vor Jerusalem, Antiochia im heutigen Syrien. Die Verteidiger dezimieren die christlichen Reihen von zusammengewürfelten, undisziplinierten Haufen, die nicht mal Sold bekommen.

Nachdem Antiochia durch Verrat gefallen ist, plündern die Christen die Stadt, metzeln die Bevölkerung, moslemische wie auch christliche Einwohner, nieder, und stecken anschließend die Häuser an. In einer winzigen Kirche, die demnächst geplündert wird, hat Hugh sein Damaskus-Erlebnis. Hatte er schon zuvor nicht an einen Christen-Gott geglaubt, so verliert er nun auch den Glauben an Vernunft, Vorsehung, Liebe und andere Werte. Ein Moslem verschont sein Leben, nachdem Hugh ob dieses Irrwitzes in Lachen ausgebrochen ist. Der Moslem verliert sein Leben beim Angriff fränkischer Fanatiker, der Tafur. Sie tragen das Zeichen des Kreuzes eingebrannt am Hals. Da vergeht Hugh das Lachen und er macht sich aus dem Staub – nicht ohne ein goldenes Kreuz aus der Kirche mitzunehmen.

|Wieder in der Heimat|

Ein halbes Jahr später, zwei Jahre nach seinem Abschied, ist Hugh wieder in seinem Heimatdorf angelangt. Seine Vorfreude auf ein Wiedersehen verwandelt sich in Schrecken, als er sieht, dass sein Gasthof bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde. Sophie ist verschwunden. Sein kleiner Sohn Philippe, von dem er nichts geahnt hatte, liegt begraben auf einem Feld. Dort vergräbt der verzweifelte Hugh auch sein Kreuz.

Wer hat dieses Unglück über sein Dorf gebracht? Es seien Ritter ohne Erkennungszeichen gewesen, heißt es von den versprengten Dörflern. Nun, Hugh kann sich’s denken: Baudouin von Treille muss dahinter stecken, oder? Er hofft, dass die entführte Sophie noch am Leben ist, und wandert durch die Wildnis Richtung Treille. Nach einem Angriff durch einen Eber wird der verwundete Hugh von einem edlen Fräulein namens Emilie in die Burg des Herzogs von Borée gebracht und gesund gepflegt.

Da Emilie durch Hughs Erzählungen zutiefst ergriffen ist (ohne es zu zeigen), will sie ihm helfen, Sophie zurückzugewinnen, sofern sie noch lebt. Dazu aber muss sich Hugh eines Vorwandes bedienen, und welche Verkleidung wäre für einen früheren Gaukler besser geeignet als die eines Hofnarren? Hugh macht sich auf den Weg in die Höhle des Löwen …

Unterdessen suchen Ritter vom Schwarzen Kreuz nächtens Dörfer und Weiler des Herzogtums von Treille heim. Sie sind hinter einer ganz bestimmten Reliquie her, die von Rittern und Händlern aus dem Heiligen Land mitgenommen oder erworben wurde. Was sie am dringendsten haben wollen, ist eine Reliquie von der Kreuzigung Jesu. Und die könnte sich in Hughs Besitz befinden, ohne dass er es ahnt …

_Mein Eindruck_

Ich habe dieses actionreiche und humorvolle Hörbuch in wenigen Tagen verschlungen. Ich fühlte mich hervorragend unterhalten, denn der Roman ist vieles zugleich. Was zunächst nach einem mittelalterlichen Kriegsabenteuer aussieht, verwandelt sich in Hughs Heimat in einen ungewöhnlichen Kriminalthriller, denn es geht darum, zwei Rätsel zu lösen: Wer sind die Ritter vom Schwarzen Kreuz, und in wessen Auftrag handeln sie? Und was wollen sie, das Hugh angeblich in seinem Besitz hat?

|Action, endlich!|

Sind diese Rätsel gelöst, wandelt sich der Roman erneut: zu einem romantischen Actiondrama, das einerseits in einem Bauernaufstand gipfelt und zum anderen in der Erfüllung von Lady Emilies Liebe zu Hugh de Luc. Und auch sie hat ein pikantes Geheimnis zu lüften! Die Action besteht in einem Dreisprung: Zuerst ist Baudouin zu überwältigen, dann der Anführer der Ritter vom Schwarzen Kreuz und zu guter Letzt dessen Auftraggeber.

So gelingt es also den beiden Autoren scheinbar mühelos, aber mit etlichen Tricks und Kniffen, den Hörer bis zur letzten Minute des Finales prächtig zu unterhalten. Kaum ist ein Rätsel gelöst, taucht schon das nächste Geheimnis dahinter auf. Oder eine Aufgabe, die Hugh zu bewältigen hat. Oder Lady Emilie bringt Hugh in Schwierigkeiten…

|Der spezielle Humor des Mittelalters|

Nur ein Narr würde nicht bei so vielen Sorgen durchdrehen und andere die Drecksarbeit machen lassen. Zum Glück ist Hugh eben dieser Narr! Ohne seinen bissigen und mitunter recht derben Humor würde er wohl kaum so viele Herausforderungen bewältigen. Und in der mittelalterlichen Gesellschaft bewährt sich sein eingeübter Wortwitz ausgezeichnet. Zu diesem Witz gehören eine ganze Menge Wortspiele.

Ich war skeptisch, ob die offenherzig geschilderten erotischen Szenen so stehen gelassen würden, aber in der deutschen Ausgabe wurde offenbar nichts davon der Zensur geopfert – bravo! Die mittelalterlichen Leute hatten offensichtlich ein viel unverkrampfteres Verhältnis zu körperlichen Angelegenheiten als wir heute.

|Toujours l’amour!|

Die einzige erlösende Kraft auf Erden scheint Hugh die Liebe zu sein, zuerst jene von Sophie, dann jene der Lady Emilie. Für die beiden Frauen verkämpft er sich denn auch bis zum letzten Atemzug und nimmt die größten Risiken auf sich. Als Hugh also Frau und Kind verliert, kündigt er den Lehnseid auf, der ihn als Untertan an seinen Lehnsherrn bindet, den Ritter, der sein Land besitzt und von ihm Dienste fordern kann, beispielsweise im Krieg.

|Rebellion|

Die Aufkündigung dieses seit Jahrtausenden bindenden Verhältnisses ist ein revolutionärer Akt. Seine Mitmenschen können kaum fassen, was Hugh tut. Erst nach langen Verhandlungen und intensiver Überzeugungsarbeit schließen sie sich ihm an. Der einzige Grund: Sie haben selbst nichts mehr zu verlieren außer ihrem Leben. Und das können sie genauso gut für ihre Befreiung einsetzen, oder? Außerdem hat Hugh ja eine gewisse Reliquie, die ihn zu etwas Besonderem macht.

Der nun folgende Bauernaufstand – den die Geschichtsbücher sicher nicht der Erwähnung wert halten – erinnert uns natürlich stark an den Unabhängigkeitskampf der „amerikanischen“ Siedler in den Kolonien Neu-Englands. Diese so genannten „Amerikaner“ waren ja meist ebenfalls nur eingewanderte Engländer, Schotten, Waliser oder Iren. Und viele, viele so genannte „Deutsche“ – meistens Hessen. Wie die „Amerikaner“ erhoben sie sich gegen ihre Landesfürsten. Denn das waren die britischen Lords und Ladies ja letzten Endes, wie man beispielsweise in dem Emmerich-Film „Der Patriot“ mehrmals gesagt bekommt.

|Die Übersetzung|

Axel Merz hat sich in der mittelalterlichen Kultur kundig gemacht, wie an zahlreichen Stellen zu bemerken ist. Zu dieser Kultur gehören nicht nur das Essen oder die feineren Vergnügungen der Edlen, sondern auch die Kriegskunst und die damit verbundenen Gerätschaften.

Übrigens: Kostprobe des hier zu findenden Humors gefällig? „Zwei brave Männer stehen abends nach der Kneipe auf einer Brücke und pissen in den Fluss. Jeder brüstet sich damit, er habe den größeren. Sagt der eine: ‚Das Wasser ist aber ganz schön kalt.‘ Meint der andere trocken: ‚Ja, und ganz schön tief.'“

Zweite Kostprobe, ein Witz aus dem „wilden Languedoc“: Was ist unten drunter haarig, steht hoch aufgerichtet in seinem Bett, besitzt eine rötliche Haut und bringt garantiert jede Nonne zum Weinen? Eine Zwiebel.

_Der Sprecher_

Tobias Meister trägt mit seiner tiefen Stimme die Geschichte mit der erforderlichen Autorität vor. Denn sonst würden die schrecklichen Szenen des Krieges, die romantischen ebenso wie die komischen Szenen nicht angemessen wirken: Das Problem mit sehr emotionalen Szenen liegt darin, dass man sie völlig ernst darstellen muss, sonst wirken sie lächerlich oder übertrieben.

Meister „meistert“ diese Schwierigkeit ohne Mühe. Unzählige Male ruft die Hauptfigur Hugo de Luc ihren Gott an, mit gutem Grund – und dann hebt sich auch Meisters Stimme um einige Intervalle. Andererseits bricht er auch nicht in Lachen aus, wenn Hugo einen Witz erzählt. Er bevormundet den Hörer nicht.

Einen weiteren Pluspunkt sammelt der Sprecher durch seine perfekte Beherrschung des Französischen. Sämtliche Namen, die in Hugos Heimat auftauchen, spricht er korrekt aus. Das gilt aber nicht immer für andere Namen: Nicaea in Kleinasien spricht man eben nicht mit a-e-a aus, sondern wie Nizäa. (Dieser Ort ging im 4. Jahrhundert in die Geschichte des Christentums ein, als die Bischöfe einige abweichende Lehren wie die der Arianer und der Gnostiker als Ketzereien verwarfen und deren Anhänger fortan verfolgen ließen.)

_Unterm Strich_

Selten habe ich ein derart temporeiches Hörbuch gehört, das mich von Anfang gepackt hat und hielt. Und dabei ist es im Grunde ein historischer Roman, sollte man meinen. In Wahrheit ist es aber eine Kombination aus Action, Kriegsdrama, Liebes-Story und ganz viel Humor, wenn auch von der derberen Sorte. In das Buch flossen zahlreiche Infos der Wissenschaft ein. Diese Quellen listet in der Buchfassung ein zwei Seiten langes Quellenverzeichnis auf. Sogar ein deutscher Autor ist darunter.

Wer also ein paar Stunden mit humorvoller und spannender „kurtzweyl“ verbringen will, der greife zu diesem historischen Thriller.

Tobias Meister ist ein kompetenter Sprecher, der sich in seinem Vortrag zurückhält, aber dennoch den Schmerz und den Schrecken der Szenen – etwa auf dem Kreuzzug – zu vermitteln versteht. Bei komischen Szenen überlässt er dem Zuhörer das Lachen. Auch seine Beherrschung des Französischen ist perfekt. Insgesamt überzeugt mich die Qualität des Hörbuchs, doch der Preis ist mit 29,90 Euro ganz schön hoch. Deshalb wird so mancher Interessent auf das Taschenbuch warten wollen.

|407 Minuten auf 6 CDs
Originaltitel: The Jester, 2003
Aus dem US-Englischen übersetzt von Axel Merz|

_James Patterson auf |Buchwurm.info|:_

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Robert Bloch – Amok

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